Vortrag bei GAM, 6. Dezember 2017

Tim Rütten (Wien): Dienstmägde im Diskursdickicht

Tim Rütten (Wien): Dienstmägde im Diskursdickicht

Moderation: Gabriella Hauch

Sie wimmeln überall herum, haben ununterbrochen Sex, sie sind ungezogen und unnachgiebig. Sie klauen und sie lügen, sind hoffärtig und gotteslästerlich. Jahrhundertelang stand besonders der weibliche Teil des Gesindes im Brennpunkt diskursiver Öffentlichkeiten. Glaubt man zeitgenössischen männlichen Beobachtern, lag so einiges, wenn nicht gar alles, im Argen im Stand der Mägde. Der Vortrag möchte anhand einer intersektionalen Perspektive auf normatives Wissen beleuchten, welche Kategorisierungen auf Dienstmägde im deutschsprachigen Raum in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts angewendet wurden, wie sich diese verknüpften und was für ein Wissen sie überhaupt schufen. Grundlegend hierfür ist das Postulat, dass die Erzeugung von Kollektivsubjekten die soziale Wirklichkeit (re-)produziert und beeinflusst. Quellengrundlage für die Ausführungen werden circa 60 bislang kaum gewürdigte monografische Schriften zum Themenkomplex „Dienstmagd“ zwischen 1700 und 1750 sein. Neben schwerpunktmäßig theologischen sowie einigen juridischen Schriften sollen besonders auch die trivialliterarischen Bearbeitungen gewürdigt werden.

Zum Vortragenden:

Magisterstudium der Mittleren / Neueren Geschichte, Deutschen Philologie und Philosophie in Köln und Paris. Seit 2015 Universitätsassistent (prae doc) für Frauen- und Geschlechtergeschichte / Geschichte der Neuzeit am Institut für Geschichte der Universität Wien. Dissertationsprojekt: Dienstmägde zwischen Devianz und Lebenswelt 1700–1850. Forschungsinteressen: Diskursanalyse, Aufklärung, Geschlechter-, Medizin-, und Körpergeschichte.