Vortrag bei GAM, 30. November 2016

Johannes Feichtinger (Wien): Die Österreichische Akademie der Wissenschaften, der Nationalsozialismus und die Folgen

Moderation: Heidemarie Uhl

Abstract:
Der Nationalsozialismus stellte für die Akademie der Wissenschaften in Wien eine Zäsur mit Folgen dar. Ab 1938 in den NS-Machtapparat verstrickt, gelang es ihr nach 1945 weitgehend bruchlos ein wesentlicher wissenschaftspolitischer Akteur zu bleiben. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Systemwettbewerbs entwickelte sie sich ab Mitte der 1960er-Jahre zum größten außeruniversitären Forschungsträger in Österreich. Im Vortrag wird dieser Transformationsprozess der Akademie von einer traditionellen Gelehrtengesellschaft zu einer Art Forschungsakademie nachgezeichnet. Das Augenmerk richtet sich auf (1) Veränderungen der Akademie nach dem „Anschluss“, (2) auf ihre Tätigkeit in den sieben Jahren NS-Herrschaft, (3) auf Entnazifizierung und restaurative Erneuerung, (4) auf ihre Restrukturierung und (5)internationale Drehscheibenfunktion im Kalten Krieg. Die zentralen Fragen lauten: Welche Akteure waren für die Entwicklung von einer in den Nationalsozialismus involvierten Gelehrtengesellschaft zu einer in Ost und West angesehenen Forschungsakademie maßgeblich? Wie groß waren ihre Handlungsspielräume? Und welche Leitvorstellungen wurden für die Struktur der Akademie sowie einer ausdifferenzierten Forschungslandschaft in Österreich prägend? 

Zur Person:Johannes Feichtinger ist Mitarbeiter der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Koordinator des Forschungsschwerpunkts Kulturen des Wissens) und im WS 2016/17 Gastprofessor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität Wien. Er hat sich hier 2011 für Neuere Geschichte habilitiert.