Vortrag bei GAM, 26. Juni 2019

Thomas Wallnig (Wien): Reichs-Graphen und die Ontologie der Herrschaft. Umrisse einer digitalen Ideengeschichte der Habsburgermonarchie

In Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft zur Erforschung des 18. Jahrhunderts

Thomas Wallnig (Wien): Reichs-Graphen und die Ontologie der Herrschaft. Umrisse einer digitalen Ideengeschichte der Habsburgermonarchie

 

Moderation: Thomas Winkelbauer

 

Abstract:

Die Ideengeschichte der Habsburgermonarchie ist heute weitgehend aus dem allgemeinen Geschichtsbewusstsein verschwunden und in der akademischen Fachdebatte bestenfalls marginalisiert. Das ist keineswegs selbstverständlich, liegen doch etwa mit dem „Gelehrten Österreich“ Ignaz de Lucas, dem „Specimen bibliothecae Austriacae“ sowie der „Österreichischen National-Encyclopädie“ Werke vor, in denen deutlich der Versuch einer entsprechenden Kanonbildung in den Jahrzehnten um 1800 greifbar wird. Dass sich im Laufe des 19. Jahrhunderts unterschiedliche Strömungen dieser intellektuellen Genealogien bemächtigt haben, ist hier weniger von Interesse als der Umstand, dass von der Rekonstruktion dieser Kanones her eine Annäherung an die ideengeschichtliche Plurivalenz der Vormoderne möglich ist.

Digitale Methoden können hierbei hilfreich sein. Sie ermöglichen eine quantifizierende Überblicksperspektive in einem Feld, das zu umfangreich ist, als dass eine detaillierte und umfassende Bearbeitung ernsthaft zu erhoffen wäre. Zudem bieten sie die Möglichkeit, textbasierte und netzwerkanalytischen Zugänge zu verbinden und somit an das traditionelle methodische Rüstzeug der Geschichtswissenschaften anzuknüpfen: In der völligen Prädominanz des Quantitativen stellt sich mit Dringlichkeit die Frage nach der historischen Hermeneutik, und es ist geboten, über das „humane“ Element der „Digital Humanities“ nachzudenken.

Zum Vortragenden:

PD Dr. Thomas Wallnig, MAS, ist Historiker (Privatdozent und Leiter mehrerer Projekte) am Institut für Geschichte und am Institut für Österreichische Geschichtsforschung der Universität Wien. Er befasst sich mit zentraleuropäischer Ideengeschichte der Vormoderne und angewandten Digital Humanities. Jüngste Publikationen: Critical Monks. The German Benedictines, 1680–1740 (Leiden-Boston 2019); Reassembling the Republic of Letters in the Digital Age. Standards, Systems, Scholarship (hg. mit Howard Hotson, Göttingen 2019/April); Digital Eighteenth Century (34. Jahrbuch der OGE18, hg. mit Marion Romberg und Joëlle Weis, Wien 2019/Juni).