Vortrag bei GAM, 25. Jänner 2017

Daniel Luger (Wien): Das spätmittelalterliche Supplikenwesen am römisch-deutschen Herrscherhof (1440-1493)

Moderation: Christian Lackner 

Abstract:
Das vom Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank geförderte Forschungsprojekt hat sich zum Ziel gesetzt, die zahlreichen aktuellen Forschungsdiskussionen insbesondere der Frühneuzeitforschung zum Supplikenwesen als wichtigstem „Kommunikationskanal“ zwischen Herrschaft und Untertanen aufzugreifen. Das Projekt zielt darauf ab, die mittelalterlichen Wurzeln des Supplikenwesens im römisch-deutschen Reich auf Grundlage einer umfassenden Quellenerschließung und -analyse zu untersuchen und damit eine wesentliche Forschungslücke zu schließen.
Die Analyse der erschlossenen Suppliken erfolgt in einem ersten Schritt aus hilfswissenschaftlich-quellenkundlicher Perspektive, um Fragen nach Entstehung, Niederschrift und Einbringung von Suppliken am habsburgischen Hof zu behandeln. Mithilfe einer summarischen Analyse der sozialen und landschaftlichen Herkunft der Supplizierenden sowie der Inhalte der Suppliken werden Umfang und Reichweite dieses „Kommunikationskanals“ zwischen Herrschaft und Untertanen untersucht. Überdies wird auf der Basis von Erledigungsvermerken sowie mithilfe ergänzender Quellen die Erledigung von eingereichten Bittschriften am römisch-deutschen Herrscherhof während des gewählten Untersuchungszeitraumes behandelt.
Der zweite Blickpunkt der Auswertung bezieht sich stärker auf textliche Aspekte und biographische Auswertungsmöglichkeiten der erschlossenen Schriftstücke. Obwohl der Gebrauch von stereotypen bzw. kodifizierten Formeln und Argumentationsstrategien stets berücksichtigt werden muss, ermöglicht die Analyse von Suppliken dennoch einen Blick auf ansonsten quellenmäßig kaum greifbare biographische Aspekte sowie auf konkrete Probleme und Nöte der Petenten.

Zur Person:
Daniel Luger ist Mitglied des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung und wurde 2014 an der Universität Wien zum Dr. phil. promoviert. Seine derzeitigen Forschungsschwerpunkte sind die Entwicklung des habsburgischen Hofes und der landesfürstlichen Verwaltung im späten Mittelalter, die Entwicklung der Reichsgerichtsbarkeit im 15. Jahrhundert sowie die Rezeption des Humanismus nördlich der Alpen.