Vortrag bei GAM, 21. Jänner 2026, 18.30–20.00 Uhr, HS 30

Verena Halsmayer (Wien): Ökonomische Miniaturen. Mathematische Modelle als suggestive Steuerungsinstrumente in den Nachkriegsjahrzehnten – Buchpräsentation

Verena Halsmayer (Wien): Ökonomische Miniaturen. Mathematische Modelle als suggestive Steuerungsinstrumente in den Nachkriegsjahrzehnten – Buchpräsentation

 

Moderation: Anna Echterhölter

 

PRÄSENZVERANSTALTUNG

 

Im Anschluss lädt der FSP Wissenschaftsgeschichte zu Brot und Wein.

 

Abstract:

Zwischen den 1930er und 1960er Jahren wurde die Volkswirtschaftslehre zur „Modellierungswissenschaft“, die ihr Wissen vorwiegend in Form kleinformatiger, mathematischer Modelle verfertigte. Welches Denken mit dieser neuen Forschungspraxis einherging, welches Wissen sie hervorbrachte und welche epistemischen wie steuerungspolitischen Hoffnungen damit verbunden waren, sind die Ausgangsfragen der Monographie Managing Growth in Miniature: Solow’s Model as an Artifact. Im Zentrum steht das sogenannte „neoklassische Wachstumsmodell“, das von einem eher beiläufigen Nebenprodukt anderer Forschung zu einem epistemischen Standard der Wirtschaftswissenschaften wurde – auf Kosten all jener Wissensformen, die sich der Modellierung entzogen.

Ausgehend von einer wissenschaftshistorischen Untersuchung von Mess- und Modellierungspraktiken nimmt der Vortrag die konkreten Seiten ökonomischer Abstraktionen in den Blick und zeigt, wie das neoklassische Wachstumsmodell verschiedene Visionen einer Welt stabilen Wachstums stützte. Die „heroic assumptions“ (vollständige Märkte, keine knappen Ressourcen, eine friktionsfreie Zukunft) des Modells ließen es mancherorts vom Zukunftsentwurf interventionistischer Ökonomik zum Symbol der Omnipotenz von Märkten werden und zu weit mehr als einem Beitrag zur ökonomischen Theorie. Der Vortrag lädt dazu ein, über die Wirkungen von Modellen und ihrer Ausschlüsse nachzudenken.

 

Zur Vortragenden:

Verena Halsmayer ist Universitätsassistentin (Postdoc) für Wissenschaftsgeschichte an der Universität Wien. Ihre Forschung verbindet Wissenschafts-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte; aktuell untersucht sie Ideen und Praktiken demokratischer Planung in den 1970er und 1980er Jahren. Ein weiteres Forschungsinteresse gilt privaten Haushaltsbüchern und den damit verbundenen Schreibverfahren.

Rückfragen: martina.fuchs@univie.ac.at