Vortrag bei GAM, 18. März 2026, 18:30-20:00 Uhr, HS 30

Günter Merz (Linz) und Leonhard Jungwirth (Wien): Oberösterreich 1626: Vom sinnlosen Krieg zum sinnstiftenden Gedächtnis – Präsentation des Jahrbuchs für Geschichte des Protestantismus in Österreich 2025/26: Bauernkriege. Konfessions- und rezeptionsgeschichtliche Perspektiven, hgg. von Martina Fuchs, Leonhard Jungwirth, Günter Merz, Astrid Schweighofer

Günter Merz (Linz) und Leonhard Jungwirth (Wien): Oberösterreich 1626: Vom sinnlosen Krieg zum sinnstiftenden Gedächtnis – Präsentation des Jahrbuchs für Geschichte des Protestantismus in Österreich 2025/26: Bauernkriege. Konfessions- und rezeptionsgeschichtliche Perspektiven, hgg. von Martina Fuchs, Leonhard Jungwirth, Günter Merz, Astrid Schweighofer

Moderation: Martina Fuchs

Präsenzveranstaltung

Abstract:

Die Bauernkriege von 1525 und 1626 prägten die Erinnerungskulturen des österreichischen Protestantismus in unterschiedlicher Weise: Der Oberösterreichische Bauernkrieg von 1626 wurde als Abwehrkampf gegen die Gegenreformation wahrgenommen und diente besonders in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts der Konstruktion eines protestantischen Opfernarrativs. Daraus entwickelte sich unter nationalsozialistischem Einfluss der Mythos eines national-religiösen Selbstopfers. Nach 1945 pflegte die evangelische Kirche ein entpolitisiertes Märtyrernarrativ.

Dagegen blieb der Bauernkrieg von 1525 aufgrund seines transformativen und sozialrevolutionären Charakters in Österreich lange weitgehend aus der protestantischen Erinnerungskultur ausgeschlossen. Erst seit den Impulsen der 1968er-Bewegung und der sozialgeschichtlichen Forschung der 1970er Jahre setzte eine differenzierte Neubewertung beider Bauernkriege ein. Dennoch beschränkt sich die breit geteilte protestantische Erinnerungskultur weiterhin auf 1626.

Dass im 16. und 17. Jahrhundert Krieg als Reaktion auf die Gegenreformation von vielen Protestanten aus theologischen und politischen Gründen abgelehnt wurde, spielte hingegen in der protestantischen Erinnerungskultur besonders im 20. Jahrhundert kaum eine Rolle. Erst langsam werden damals entwickelte Lösungen für den Umgang mit Unterdrückung, die von Formen des passiven Widerstands bis zum Weichen vor der Gewalt reichten, als wichtiger Teil des protestantischen Erbes erkannt.

Zu den Vortragenden:

Mag. Günter Merz (Jg. 1958), Studium der evangelischen Theologie in Wien und Basel, Religionslehrer an AHS, lebt und arbeitet in Linz. Bis 2023 wissenschaftlicher Leiter des Evangelischen Museums Oberösterreich (ehrenamtlich), seit 2000 im Vorstand der Gesellschaft für die Geschichte des Protestantismus in Österreich. Forschungsschwerpunkt: evangelische Kirchengeschichte Oberösterreichs.

Mag. Dr. Leonhard Jungwirth lehrt an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien und ist als Kirchenhistoriker und theologischer Leiter im Albert-Schweitzer-Haus – Forum der Zivilgesellschaft tätig. In seiner Forschungs- und Vermittlungsarbeit widmet er sich der österreichischen Protestantismusgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts mit Schwerpunkt auf politik-, mentalitäts- und erinnerungskulturgeschichtliche Themen und Fragestellungen.

Rückfragen: martina.fuchs@univie.ac.at