Vortrag bei GAM, 18. Jänner 2017

Karoly Goda (Wien): „Dame, König, As, ...?“ Eine Spurensuche im visuellen & textuellen Kontext des bikonfessionell geprägten Wiens um 1580

Jour fixe des Instituts für die Erforschung der Frühen Neuzeit

Moderation: Thomas Winkelbauer 

Abstract:
Anfang des letzten Viertels des 16. Jahrhunderts verdichteten sich die konfessionell geprägten Auseinandersetzungen im Kontext des politisch-kulturellen Lebens der Stadt Wien. Diese Analyse versucht neben der Meisternarrative der Reformation, Gegenreformation bzw. katholischen Reform eine neue, von der italienischen „Microstoria“ (u.a. Carlo Ginzburg) inspirierte Leseart der Ereignisse um 1580 anzubieten. Mit der Hilfe des sog. semiotischen Lesens leistet der Vortrag eine historische Spurensuche um Indizien und Hinweise, welche die visuellen & textuellen religiösen Äußerungen der Zeitzeugen nicht als Mosaikteile einer konfessionellen Makronarrative sondern als Bausteine der zeitgenössischen Visionen der urbanen & religiösen Gemeinschaftsbildung interpretieren lassen.

Zur Person:
Károly Goda (Mag. & Mag. ELTE: Geschichtswissenschaft und Archivistik; M.A. CEU: Mediävistik; Ph.D. ELTE: Sozial- und Wirtschaftsgeschichte) forschte und lehrte zwischen 2004 und 2015 zur vergleichenden Landes- und Städtegeschichte des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen West- und Mitteleuropas an der Eötvös Loránd Universität (ELTE, Budapest, Ungarn) und an der Westfälischen Wilhelms-Universität (Münster, Deutschland) und er hatte zwischen 2013 und 2015 die PostDoc-Stelle eines wissenschaftlichen Mitarbeiters an der Palacký Universität (Olomouc/Olmütz, Tschechische Republik) inne. Seit seinem erfolgreich abgeschlossenen Dissertationsprojekt mit dem Titel "Die Führungsschichten Soprons/Ödenburgs im 15./16. Jahrhundert" forscht er zum Thema des Politischen & Religiösen in spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadtprozessionen Mitteleuropas. Als Mitglied des SFB-Clusters “Visions of Community” (FWF SFB F42) trägt sein PostDoc-Projekt den Titel “Communities of Solemn Processions and Festive Entries in Late Medieval Central European Residential Capital Cities”.