Lectures at GAM, 14th November 2018

Renate Zedinger (Wien): Meilensteine lothringischer Geschichte in einer Schraubmedaille des 18. Jahrhunderts. Ein Legitimitätsanspruch?

Renate Zedinger (Wien): Meilensteine lothringischer Geschichte in einer Schraubmedaille des 18. Jahrhunderts. Ein Legitimitätsanspruch?

Moderation: Christoph Gnant


Abstract:

„Geschrauffte Medaillen“ mit eingelegten Porträts der/des Geliebten, Haarlocken, magischen Sprüchen oder ganzen Bilderzyklen, z.B. auf das Leben Christi, waren im 18. Jh. ein Verkaufsschlager. Diese kleinen Kunstwerke wurden in der Regel aus zwei Medaillen oder zwei Münzen hergestellt, auf einer Seite abgeschliffen, ausgefräßt und mit Gewinde und Gegengewinde versehen, bildeten sie einen Hohlraum, in dem sich allerlei verstecken ließ. Wenn es den Medailleuren weniger um das Aussehen als um den Inhalt dieser „Döschen“ ging konnte es vorkommen, daß sie für die Vorder- und Rückseite zwei Prägungen verwendeten, die eigentlich nicht zusammen gehörten. So geschehen bei der hier vorgestellten Schraubmedaille aus dem Münzkabinett des Wiener Kunsthistorischen Museums, wobei die Vorderseite mit dem Porträt Maria Theresias von Matthäus Donner stammt und die Rückseite mit dem Porträt Franz I. Stephan von Andreas Vestner. Allerdings, wichtig war hier der Inhalt. Der Auftraggeber verfolgte mit dem eingelegten Bilderzyklus ganz offensichtlich das Ziel, Wahl und Krönung Franz I. Stephan zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches zu legitimieren: auf dem ersten der 19 Bildchen ist Kaiser Lothar I. zu sehen, der dem Herzogtum Lothringen den Namen gab, danach folgen prägnante Darstellung aus der Geschichte des Herzogtums. Sie zeigen die jahrhundertealte Verbundenheit mit dem Römischen Reich, die den Anspruch Franz I. Stephan auf die Kaiserkrone legitimieren soll, zusätzlich unterstützt vom Haus Habsburg. Zu enträtseln bleibt: Wer war der Auftraggeber? Wer war der Künstler?
 
Zur Vortragenden:
Dr. Renate Zedinger, Historikerin, Ausstellungskuratorin, Mitglied der Académie Stanislas in Nancy;
Forschungsschwerpunkte: „Die Politik des Hauses Habsburg zur Zeit Karls VI. und Maria Theresias“;
„Lothringen unter den Herzögen Leopold und Franz Stephan“. Teilnahme an in- und ausländischen Tagungen, einschlägige Publikationen, hier vor allem die Monographie „Franz Stephan von Lothringen (1708–1765). Monarch Manager Mäzen“ (2008).