Lectures at GAM, 12th October 2016

Laurin Blecha (Wien): Geschichtspolitik in Nicaragua von 1979 bis 1990

Vorstellungsvortrag als Bewerbung für ein Lektorat am IfG

Moderation: Berthold Molden

Abstract:
Mit der nicaraguanischen Revolution (1979-1990) begann unter der Führung der Sandinistischen Befreiungsfront (FSLN) eine umfassende Umstrukturierung der nicaraguanischen Gesellschaft: sozialemanzipatorische Programme, sowie außenpolitische und ökonomische Neuausrichtungenprägten die 1980er Jahre. Die FSLN versuchte aber auch einen historischen Bruch mit der Zeit davor (der Familiendiktatur der Somozas) herzustellen und begann die Narrative der nicaraguanischen Geschichte zu beeinflussen und zu verändern. Die Geschichtsschreibung sollte dazu beitragen, dass Projekt der SandinistInnen historisch zu unterfüttern, zu legitimieren und zu konsolidieren.
Der Vortrag, der auf einem Dissertationsprojekt beruht, befasst sich mit den Geschichtsinterpretationen in der Zeit der sandinistischen Revolutionsregierung. Die Geschichtspolitik dient in dieser Arbeit als Analysekategorie von Verflechtungen von Geschichte und Politik. Da Nicaragua aber nicht als Einzelfall für sich steht, ist es notwendig den Blick auf andere Länder der Hemisphäre zu richten, wie etwa auf Argentinien, Chile, El Salvador oder Guatemala, die in denen in den letzten Jahrzehnten, die Forschungsfelder der Erinnerungs- und Geschichtspolitik mit neuen Ansätzen und Debatten über den Umgang mit der/den eigenen Vergangenheit(en) beeinflussen konnten.

Zur Person:
Laurin Blecha (geb. 1988) ist Doktorand am IfG. Sein Forschungsschwerpunkt umfasst Erinnerungs- und Geschichtspolitiken in Zentralamerika, mit dem Schwerpunkt auf Nicaragua. Im WS 2015/16 war er DAAD-Stipendiat und Gastwissenschaftler am Ibero-Amerikanischen Institut in Berlin.