Lectrures at GAM, 22nd January 2020, 18.30 – 20.00, HS 30

Nina Kreibig (Berlin): Wiener Leichenbeisetzkammern und Berliner Leichenhäuser: neue Institutionen im europäischen Bestattungswesen des 18. Jahrhunderts im transnationalen Vergleich

Nina Kreibig (Berlin): Wiener Leichenbeisetzkammern und Berliner Leichenhäuser: neue Institutionen im europäischen Bestattungswesen des 18. Jahrhunderts im transnationalen Vergleich

 

Moderation: Julia Gebke

 

Abstract:

Im späten 18. und verstärkt im 19. Jahrhundert kam es in zahlreichen europäischen Gesellschaften zur Errichtung von Lokalitäten, die der Aufbewahrung der Verstorbenen – oftmals separiert von den Lebenden – dienten. Diese Lokalitäten erhielten unterschiedliche Bezeichnungen, ihre Zielsetzung war aber weitestgehend identisch. Sie verfolgten in der Regel zwei Zwecke: Zum einen hatten sie den sanitätspolizeilichen Schutz der Lebenden vor den Verstorbenen zu gewährleisten, zum anderen sollten die Leichenkammern als Orte fungieren, an denen die potenziellen Toten aufgebahrt und beobachtet wurden, damit die Gefahr eines lebendig Begrabenwerdens ausgeschlossen werden konnte. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein wurde als einzig sicheres Todesmerkmal die Verwesung angenommen. Die zeitliche Verzögerung, mit der diese auftritt, führte anfänglich zur Einführung von Beerdigungsfristen und daraus resultierend zur Etablierung von Leichenhäusern. Die österreichischen Leichenbeisetzkammern, die bereits Mitte des 18. Jahrhunderts gesetzlich verordnet worden waren, stellten die ersten Umsetzungen dieser Art im europäischen Bestattungswesen dar. Ihnen folgten Einrichtungen in Berlin gegen Ende des Jahrhunderts. Dabei sind deutliche Unterschiede zwischen dem primär katholischen Wien und dem evangelischen Berlin auszumachen.

 

Zur Vortragenden:

Studium der Ur- und Frühgeschichte, Anthropologie und Alten Geschichte an der Georg-August-Universität Göttingen. 2016 erfolgte die Aufnahme des Dissertationsprojektes „Die Kultur- und Sozialgeschichte der Berliner Leichenhäuser (1794–1871)“ in den Geschichtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin; seit 2017 Promotionsstipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung.