Cancelled: Letures at GAM, 24. Juni 2020

Jour fixe des Instituts für die Erforschung der Frühen Neuzeit in Kooperation mit Geschichte am Mittwoch

 

Stephan Boll (München): Mancherlei wunderlicher und erschrecklicher Ding. Bilder der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Hartmann Schedels Weltchronik von 1493

 

 

Jour fixe des Instituts für die Erforschung der Frühen Neuzeit in Kooperation mit Geschichte am Mittwoch

Stephan Boll (München): Mancherlei wunderlicher und erschrecklicher Ding. Bilder der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Hartmann Schedels Weltchronik von 1493

Moderation: Friedrich Polleroß

Abstract:

Mit Gutenbergs Erfindung des Buchdruckes mit beweglichen Lettern wuchs die Begeisterung für die alte Gattung der illustrierten Weltchroniken in bisher unerreichte Höhen: Der Fasciculus Temporum des Kartäusers Werner Rolevinck wurde zwischen 1473 und 1500 in zumindest 32 Auflagen in allen Kultursprachen der Zeit publiziert. Auch eine der heute bekanntesten Inkunabeln gehört in diese Gattung: Hartmann Schedels Liber Chronicarum von 1493. Dieses „größte Buchunternehmen der Dürerzeit“ illustrierte in 1.804 Holzschnitten die sechs augustinischen Weltzeitalter zwischen Schöpfung und Jüngstem Gericht mit Darstellungen des Alten sowie des Neuen Testaments, der profanen Geschichte von der Antike bis zur Gegenwart, Legenden, Begebenheiten der Mythologie und Hagiographie, Stadtansichten, geographische Karten und Berühmtheiten aus allen Bereichen der Wissenschaften. Das sechste und letzte Weltzeitalter – die Gegenwart des Autors – ist gekennzeichnet durch eine Serie von Naturkatastrophen, Himmelserscheinungen, Wundergestalten und Missgeburten, welche sich gemeinsam mit Schilderungen der türkischen Eroberungen zu einer apokalyptischen Stimmung verbinden. Gleichzeitig impliziert die Auswahl der Darstellungen, dass das unvermeidliche Ende möglicherweise doch verschoben werden könnte, wobei Kaiser Maximilian dabei eine herausragende Rolle zukommen sollte. Eine wesentliche Funktion der Schedelschen Weltchronik war somit die Bestärkung habsburgischer Autoritätsansprüche Kaiser Maximilians als Führer der bedrohten Christenheit.

About the Speaker:

Stephan Boll, M.A., geboren in Basel, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Philosophie in Stuttgart. Magisterarbeit über „Die Funktion des Bildes in den gedruckten Weltchroniken des 15. Jahrhunderts“. Seit 2014 Promotion zur religiösen Malerei Pietro Novellis (il Monrealese), Publikation voraussichtlich 2020. Forschungsschwerpunkte deutsche spätmittelalterliche Bildkünste sowie frühneuzeitliche Bildkünste auf Sizilien und Kunstpatronage der Wittelsbacher.