Cancelled: Lectures at GAM, 27. Mai 2020,

In Kooperation mit „fernetzt. Junges Forschungsnetzwerk Frauen- und Geschlechtergeschichte“

 

Jessica Richter (St. Pölten): Was tun mit der Landarbeit? Organisation des Arbeitsmarkts in Österreich (1918–1938)

In Kooperation mit „fernetzt. Junges Forschungsnetzwerk Frauen- und Geschlechtergeschichte“


Jessica Richter (St. Pölten): Was tun mit der Landarbeit? Organisation des Arbeitsmarkts in Österreich (1918–1938)

 

Moderation: Brigitte Semanek 

Abstract:

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, in Österreich vor allem in der Zwischenkriegszeit, wurden Arbeit und die ‚Lenkung‘ des Arbeitsmarkts immer mehr zur Aufgabe des Staates. Der Aufbau sozialstaatlicher Sicherungen, neue arbeitsrechtliche Regelungen und die Etablierung einer staatlichen Arbeitsmarktverwaltung trugen dazu bei, gelernte, kontinuierliche und formalisierte Erwerbsarbeit als Referenz für andere Tätigkeiten zum Lebensunterhalt durchzusetzen. Mit der Verknüpfung von Arbeitsmarkt- und Migrationspolitik in der Zwischenkriegszeit wiederum wurden StaatsbürgerInnen gegenüber Nicht-StaatsbürgerInnen privilegiert – und das Ziel einer ‚Nationalisierung‘ des Arbeitsmarkts unterstützt.

Wie aber die abhängige Landarbeit von DienstbotInnen, TagelöhnerInnen, Saison- oder WanderarbeiterInnen etc. zu organisieren sei, war sogar zwischen Behörden hoch umstritten. Zudem passte Landarbeit in vielerlei Hinsicht kaum in dominante Vorstellungen und Praktiken von Arbeit: Sie war abhängig von lokalen und natürlichen Gegebenheiten, basierte vielfach auf grenzüberschreitenden Arbeitswanderungen und fügte sich wenig in amtliche Berufskategorien. In meinem Vortrag präsentiere ich erste Gedanken und Fundstücke aus meinem im September 2019 gestarteten FWF-Projekt. Dabei skizziere ich Konfliktlinien zwischen der staatlichen Arbeitsmarktverwaltung und lokalen sowie regionalen Behörden und diskutiere die vielfältigen Widerstände gegen Maßnahmen, den nationalen Arbeitsmarkt staatlich zu organisieren.

About the Speaker:

Jessica Richter studierte Sozialwissenschaften und European Regional Development und wurde im Fach Geschichte e mit einer Dissertation zum häuslichen Dienst in Österreich (Ende des 19. Jahrhunderts bis 1938) promoviert. Sie leitet das FWF-Projekt „Landarbeit organisieren“ am Institut für Geschichte des ländlichen Raumes und ist Vorstandsmitglied von „fernetzt. Junges Forschungsnetzwerk Frauen- und Geschlechtergeschichte“.