Der Bergbau und die Solidarität
- Author(s)
- Sebastian Felten
- Abstract
Solidarische Zusammenschlüsse unter Bergleuten sind schon früh belegt. In der frühen Neuzeit haben landesherrlichen Obrigkeiten die Bergbruderschaften — auch Gesellschaften und Knappschaften genannt – oft gefördert und gesetzlich geregelt. Im Zuge einer liberalen Wirtschaftspolitik Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die alten Knappschaftskassen vielerorts in große und kleine Knappschaftsvereine umgewandelt. Sie dienten Bergarbeitern als Invaliden-, Kranken- und Pensionskasse und wurden als Vorbild für staatliche Sozialversicherungen herangezogen. Die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Knappschaften können daher als Teil einer langen Geschichte verstanden werden, die in den heutigen sozialen Sicherungssystemen mündet. Die wechselseitige materielle Absicherung stellt nur einen Aspekt von Solidarität (damals: Brüderlichkeit) unter Bergleuten dar: Sie organisierten Begräbnisse für Mitbrüder, verwaltete eine Almosen- und Krankenkasse, repräsentierte den Berufsstand durch Prozessionen und Feste. Oft formulierten sie Beschwerden der Bergleute gegenüber der Obrigkeit und manchmal initiierten sie sogar Aufruhr und Arbeitsniederlegungen. Knappschaftsordnungen sollten aber auch das Verhalten der Arbeitenden in gewisse Bahnen lenken, was den politischen und wirtschaftlichen Interessen der Obrigkeit diente. Dieser Beitrag zeigt diese Ambivalenzen exemplarisch an erzgebirgischen Knappschaften.
- Organisation(s)
- Department of History
- Pages
- 96-102
- No. of pages
- 6
- Publication date
- 2024
- Austrian Fields of Science 2012
- 207309 History of mining, 601014 Modern history, 601005 European history, 601029 Social history
- Portal url
- https://ucrisportal.univie.ac.at/en/publications/b27966a7-1891-42a5-af4a-fce94dad1448
