Geschichte am Mittwoch im WS 2009/10

Ort: Universität Wien - Institut für Geschichte, HS 45
Zeit: Mittwoch, 18.00 c.t. - 20.00 Uhr

Wenn Sie per Mail eingeladen werden wollen, mailen Sie bitte an folgende Adresse: veranstaltungen.geschichte@univie.ac.at

Organisation und Planung: Thomas Fröschl
Für die IEFN-Vorträge: Susanne Pils

 

Übersicht

 

7. Oktober: Karl BRUNNER (Wien)
„Einmal Dilbert und zurück. Eine Homo Novus im bürgerlichen Wissenschaftsbetrieb"

14. Oktober: Helmut PUFF (Ann Arbor, Michigan) - in Kooperation mit dem IEFN
„Wollust lernen" (Achtung, anderer Ort: Altes Rathaus, Festsaal; Beginn: 19 Uhr)

21. Oktober: Dorothee RIPPMANN (Zürich)
„Bauernidylle? Wilde Leute in gezähmter Natur auf einem spätmittelalterlichen Wirkteppich im Museum für Angewandte Kunst in Wien"

28. Oktober: Gabriele WERNER (Wien)
„Politik im Bild und Theorien des Bildlichen in den feministischen/gender studies"

 

11. November: Anita HIPFINGER und Josef LÖFFLER (Wien) - in Kooperation mit dem IEFN
„... unnd sonnstenn mit zucht guet ordnung halten ...". Instruktionen und Ordnungen für Herrschaftsbeamte - Klosterneuburg, Wilfersdorf und Feldsberg in der Frühen Neuzeit

18. November: Beate PAMPERL, Peter RAUSCHER, Andrea SERLES (Wien)
„‚Kösten, Juchten, Gschmeid...‘ Der Kremser Handel im Zeitalter des Merkantilismus - Datenbank und Analyse"

25. November: Sašo JERŠE (Ljubljana/Graz)
„Imaginaires politiques Innerösterreichs im konfessionellen Zeitalter"

2. Dezember: Sabine BRAUCKMANN (Tartu, Estland)
„Von Zellen im Labor und Künstleratelier"

9. Dezember: Peter BECKER (Linz)
„Von Mäusen und anderen Menschen. Neurowissenschaften und Kriminologie im Gespräch"

16. Dezember: Katharina REINHOLDT (Saarbrücken/Mainz) - in Kooperation mit dem IEFN
„Ein Leib in Christo werden" - Sexualität als Ritual im Täufertum des 16. Jahrhunderts

13. Jänner: Fabian JONIETZ (München) - in Kooperation mit dem IEFN
„Physiognomik als Kunst- und Künstlerkritik: Guido Cagnacci und der Topos des hässlichen Künstlers"

20. Jänner: Valeria HEUBERGER (Wien) - in Kooperation mit der Kulturabteilung der U.S. Embassy in Wien
„Muslime in den USA in Geschichte und Gegenwart"

27. Jänner: Ruben GALLO (Princeton)
„Freud's Mexico: His collection of pre-Columbian antiquities"

 


Details

7. Oktober: Karl BRUNNER (Wien)
„Einmal Dilbert und zurück. Eine Homo Novus im bürgerlichen Wissenschaftsbetrieb"
Moderation: Christina Lutter

Abstract: Als einige Studenten eine „Revolution" probierten, war ich nicht dabei, denn ich studierte mit Hilfe eines Stipendiums und musste meine Leistungen erbringen. Als einige Professoren das Abendland untergehen sahen, hatte ich keine Zeit für ihr Lamento, denn ich war damit beschäftigt, in meinen Instituten dafür zu sorgen, dass weiterhin Wissenschaft betrieben werden konnte. Es ist eine etwas andere Geschichte, die ich erzählen möchte, in der nicht geklagt wird, dass die Gesellschaft zu wenig für die Wissenschaft tue, sondern gefragt, was die Wissenschaft denn für die Menschen tun kann; die Geschichte eines tumben Toren, der meist nicht einmal merkte, gegen wie viele Konventionen er verstieß.

Zur Person: Geb. 1944, Matura in Linz, Studium an der Universität Wien: Geschichte, Philosophie, Germanistik, Kurs am „Institut für österreichische Geschichtsforschung", Staatsprüfung, 1968 Promotion zum Dr. phil., Universitätsassistent, 1973/74 Humboldt - Stipendium in Marburg/Lahn BRD, 1978 Habilitation an der Universität Wien: Lehrbefugnis für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften, 1983 a. o. Universitätsprofessor für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Wien, 2000 Überleitung zum Universitätsprofessor, 1996 - 2003 geschäftsführender Direktor des Instituts für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit, Krems (Österr. Akademie der Wissenschaften), von Okt. 2002 - 30. Sept. 2009 Direktor des Instituts für österreichische Geschichtsforschung. Gestalter dreier Landesausstellungen in Nieder- und Oberösterreich. - Publikationen (siehe auch http://www.karlbrunner.at/werkliste.html): Einführung in den Umgang mit Geschichte (4. Aufl. Wien 2004); Herzogtümer und Marken. Vom Ungarnsturm bis zum 12. Jahrhundert (Wien 1994); Bd. 2 der „Österreichischen Geschichte" hg. von Herwig Wolfram; Leopold, der heilige. Ein Portrait aus dem Frühling des Mittelalters (Wien 2009).

14. Oktober: Helmut PUFF (Ann Arbor, Michigan) - in Kooperation mit dem IEFN
„Wollust lernen"

Moderation: Hubert Christian Ehalt
Hauptveranstalter: Wiener Vorlesungen

Achtung, anderer Ort: Altes Rathaus, Festsaal; Beginn: 19 Uhr

Der Vortrag ist die Auftaktveranstaltung der Tagung Die sieben Todsünden in der Frühen Neuzeit, die anlässlich des 20jährigen Jubiläums des Instituts zur Erforschung der Frühen Neuzeit stattfindet.

Abstract: Wollust und Sexualität sind allenfalls verwandt, keinesfalls äquivalent. Die Frage, wie eng ihr Verwandtschaftsgrad anzusetzen wäre, ist Ausgangspunkt meiner Überlegungen. Nimmt man das von Michel Foucault für das 19. Jahrhundert diagnostizierte Sexualitätsdispositiv der Moderne zum Maßstab, dann besticht die frühneuzeitliche Wollust durch ihre relative Unschärfe. Nicht umsonst besserten die Literati sprachlich gerne nach und sprachen von „fleischlicher" oder anderen Formen der Wollust. Was Wollust ist, musste, so die These, vermittelt werden. „Wollust lernen" wird einige der Situationen und Kontexte untersuchen, in denen Wollust gelehrt und erlernt, verstanden und missverstanden wurde. Nach einem einleitenden Streifzug durch die Schwank-Literatur, sollen die Katechismus-Literatur des 16. Jahrhunderts und die Bildkatechese dieser Zeit (in Form von Fresken, Reliefs, Drucken, etc.) einer systematischen Analyse zugeführt werden - Texte, die Entscheidendes über die Lernziele und Lernsituationen ebenso wie über die mit der Wollust verbundenen Ängste und Potenziale preisgeben.

Zur Person: Helmut Puff, Associate Professor Ph.D., unterrichtet an der University of Michigan in Ann Arbor. Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind Sozial-, Sexualitäts-, Geschlechter- und Kulturgeschichte des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit im deutschsprachigen Europa.

21. Oktober: Dorothee RIPPMANN (Zürich) - Gastprofessorin für „Geschichte des Mittelalters" am IfG diesem Semester
„Bauernidylle? Wilde Leute in gezähmter Natur auf einem spätmittelalterlichen Wirkteppich im Museum für Angewandte Kunst in Wien"

Moderation: Brigitte Rath

Abstract: Ausgangspunkt der Überlegungen ist ein Kunstwerk im Museum für Angewandte Kunst in Wien, ein oberrheinischer Wirkteppich aus dem 15. Jahrhundert. Er zeigt Wilde Leute, die Bauernarbeit verrichten. Im Vortrag werden die hintergründige Botschaft der Darstellung und der Zeichencharakter der Details erkundet, ausgehend von Forschungen zur ländlichen Gesellschaft unter sozial- und gendergeschichtlichem Aspekt. Die Bildquelle ist im Kontext der Auftraggeber und Betrachterinnen zu sehen, die dem Stadtpatriziat angehörten und ihre Imaginationen über Liebe und (ordentliches) Geschlechterverhältnis auf ländliche Protagonisten projizierten. Mit Bezug auf kunsthistorische Interpretationen werden verschiedene Konzeptionen von Gesellschaft und Geschlechterbeziehungen erkennbar und es entsteht eine Art fiktiver Dialog zwischen Städtern und „Landleuten", wie auch die Idee einer zeitgenössischen Bewältigung vergangener Umweltveränderungen.

Zur Person: Dorothee Rippmann ist Historikerin, Mittelalterarchäologin und Museologin. Forscht u. a. über Alltagsgeschichte und materielle Kultur, ländliche Gesellschaft, Stadt-Land-Beziehungen und Frauen und Geschlechterverhältnis in der mittelalterlichen Gesellschaft. Langjährige Mitarbeit in einem Projekt zur Erarbeitung einer neuen Kantonsgeschichte des Kantons Basel-Landschaft (CH). Unterrichtet als Privatdozentin an der Universität Zürich und an der Pädagogischen Hochschule Zürich. Im laufenden Wintersemester Gastprofessorin für Geschichte des Mittelalters am Institut für Geschichte der Universität Wien.

28. Oktober: Gabriele WERNER (Wien) - Gastprofessorin für „Visuelle Kulturen, Medien und Bildtheorien mit einer historischen Perspektive" am IfG in diesem Semester
„Politik im Bild und Theorien des Bildlichen in den feministischen/gender studies“
Moderation: Marianne Klemun

Abstract: Ohne eine feministische Repräsentationskritik kann eine Bildmagie zelebriert werden, die das Bild zum Träger von Handlungen und Aktionen macht. Ohne eine kritische Befragung von Geschlechterkonstruktionen kann „Körperlichkeit“ als eine naturhafte Konstante in den Bilddiskurs eingeführt werden, ohne eine methodische und theoretische Begründung für diese Grundlegungen erläutern zu müssen. Ohne eine sprachkritische und diskurstheoretische Reflektion des eigenen Tuns und des fachlichen Zustandekommens von Bildtheorien, braucht sich eine Bildontologie erst gar nicht begründen. Mit dem Versuch, die „Bildwissenschaft“ als neue interdisziplinäre Metawissenschaft zu etablieren, sind bisher keine neuen Erkenntnisschritte zu verzeichnen.

Zur Person: geb. 1958, Studium der Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft, Politologie und Philosophie in Hamburg. Forschungsschwerpunkte: Ästhetische Theorie, Bildtheorie, Populärkultur, Gender Studies, Kunst- und Mediengeschichte.

11. November: Anita HIPFINGER und Josef LÖFFLER (Wien) - in Kooperation mit dem IEFN
„... unnd sonnstenn mit zucht guet ordnung halten ...". Instruktionen und Ordnungen für Herrschaftsbeamte - Klosterneuburg, Wilfersdorf und Feldsberg in der Frühen Neuzeit

Moderation: Thomas Winkelbauer

Abstract: Obwohl die grundherrschaftliche Verwaltung den quantitativ umfangreichsten Teil der Verwaltung ausmachte, ist sie innerhalb der österreichischen Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte nur marginal erforscht. Ein Grund dafür dürfte die geringe Beachtung der in Kloster- und Adelsarchiven liegenden Quellen sein. Seit 2008 werden im Rahmen eines FWF-Projekts normative Quellen (Instruktionen für Herrschaftsbeamte, Ordnungen, Patente etc.) exemplarisch für eine weltliche und eine geistliche Grundherrschaft ediert. Im Vortrag werden Stand des Editionsprojekts sowie erste Ergebnisse präsentiert.

Zu den Personen: Josef Löffler, geb. 1980, Studium der Geschichte an der Universität Wien, Diplomarbeit zum Thema „Der zweite oberösterreichische Bauernaufstand im Mühlviertel. Versuch einer systematischen Darstellung". Seit 2008 Projektmitarbeiter am Institut für Geschichte, Forschungsprojekt „Adelige und Geistliche Herrschaftsverwaltung in Niederösterreich 1550-1848". - Anita Hipfinger studierte Geschichte und Politikwissenschaft in Wien und Mérida/Mexiko; 2005 Diplomarbeit über zwei Diebstahlprozesse im 18. Jahrhundert; danach u. a. Bibliothekarin im Liechtensteinmuseum, Studienassistenz am Institut für Soziale Ökologie. Seit 2008 Mitarbeiterin im FWF-Projekt „Adelige und Geistliche Herrschaftsverwaltung in Niederösterreich 1550-1848", Institut für Geschichte.

18. November: Beate PAMPERL, Peter RAUSCHER, Andrea SERLES (Wien)
„‚Kösten, Juchten, Gschmeid...‘ Der Kremser Handel im Zeitalter des Merkantilismus - Datenbank und Analyse"

Moderation: Erich Landsteiner

Abstract: Als Knotenpunkt von Verkehrsverbindungen zwischen Alpenvorland und den Ländern der Wenzelskrone, Süddeutschland und Wien bildete Krems einen der wichtigsten frühneuzeitlichen Handelsplätze des österreichischen Donauraums. Einen Einblick in dortigen kaufmännischen Aktivitäten geben die erhaltenen „Waag- und Niederlagsbücher", aus denen Art und Menge der gehandelten Waren, die am Handel beteiligten Personen und deren Herkunft ermittelt werden können. In einem derzeit laufenden Projekt werden diese Daten in eine - in Zukunft online abfragbare - Datenbank übertragen. Damit ist es, wie der Vortrag zeigen will, möglich, ein facettenreiches Bild der Geschichte des Handels in Niederösterreich und dessen Verflechtung mit angrenzenden Regionen zu zeichnen.

Zu den Personen: Beate Pamperl ist Medienbeauftragte am Institut für Geschichte der Universität Wien und studiert Theater-, Film- und Medienwissenschaft sowie Informatik an der Universität und der TU Wien. - Peter Rauscher ist Privatdozent am Institut für Geschichte der Universität Wien. Forschungsschwerpunkte sind Finanz- und Wirtschaftsgeschichte, Jüdische Geschichte, Heiliges Römisches Reich und Habsburgermonarchie. - Andrea Serles ist Mitarbeiterin am Institut für Geschichte der Universität Wien und Bearbeiterin des Projekts „Handel im Zeitalter des Merkantilismus. Die Kremser Waag- und Niederlagsbücher als Quellen zur österreichischen Wirtschaftsgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts". Weiterer Forschungsschwerpunkt: Finanz- und Behördengeschichte der Epoche Rudolfs II.

25. November: Sašo JERŠE (Ljubljana/Graz)
Imaginaires politiques Innerösterreichs im konfessionellen Zeitalter"
Moderation: Thomas Winkelbauer

Abstract: In den letzten Jahrzehnten des 16. und im ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts standen die innerösterreichischen Lande Steiermark, Kärnten und Krain im Zeichen des entbrannten konfessionellen Konflikts zwischen dem katholischen Landesfürsten einerseits und den protestantischen Ständen andererseits. Der Konflikt nahm ausgesprochen politische Dimensionen an, indem sich zwei grundverschiedene Auffassungen der Landesverfassung gegenüber standen; dies der gewaltige Ausdruck der entgegengesetzten und letztendlich unversöhnlichen politischen Imaginarien, derer Auseinandersetzung den entscheidenden Wandel in der Verfassung der innerösterreichischen Lande einleitete, den vom „Ständestaat" zur „Fürstenmacht".

Zur Person: Dr. Sašo Jerše ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte an der Universität Ljubljana und zur Zeit Richard-Plaschka-Stipendiant an der Universität Graz mit dem Projekt Außenpolitik des innerösterreichischen Ständentums in den Jahren von 1564-1619. Studium der Geschichte an der Universität Ljubljana (1993-98), Promotion 2004. Seit 1998 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte der Universität Ljubljana; 1998/99 Studium an der Central European University in Budapest, 2004/05 DAAD-Stipendiat in Bonn. 2005 venia legendi „Slowenische und Allgemeine Geschichte der Frühen Neuzeit", 2005-08 Vertretung der Professur „Slowenische Geschichte der Frühen Neuzeit" in Ljubljana. - Forschungsschwerpunkte: Politische Geschichte der innerösterreichischen Länder im 16. und 17. Jahrhundert, Geschichte des politischen Denkens in der frühen Neuzeit, Reichs- und Reichstagsgeschichte, Verfassungsgeschichte, Geschichte des politischen Denkens in der frühen Neuzeit. - Publikationen: The Political Thought regarding the Holy Roman Empire in the Second Half of the Sixteenth Century (1999), Die Beziehungen zwischen dem Heiligen Römischen Reich und den Ländern Innerösterreichs in den Jahren von 1564 bis 1590 (2004).

2. Dezember: Sabine BRAUCKMANN (Tartu, Estland)
Von Zellen im Labor und Künstleratelier"
Moderation: Marianne Klemun

Abstract: Bilder von Zellen, wie Künstler sie malten und Wissenschaftler sie zeichneten, sind das Thema meines Vortrages, der vom Anatomischen Theater der Universität Wien zum Atelier des Künstlers um 1900, und vom Atelier des Künstlers in das mikroskopische Labor des Zytologen führen wird. Was die Wissenschaftler (Rabl, Boveri, Zuckerkandl, Wilson) und Künstler (Klimt, Kandinsky, Klee), die ich hier vorstellen werde, auf den ersten Blick verbindet, ist ihre Faszination über die Formenvielfalt des Naturkörpers "Zelle". Die Problematik, die hier angerissen wird, zielt auf die Ähnlichkeit und Differenz von wissenschaftlichen und künstlerischen Bildern.

Zur Person: Sabine Brauckmann ist Leiterin der Wissenschaftsstudien im Science Center der Universität Tartu. Nach dem Studium der Philosophie, Mathematik und Slawistik der Universität Münster hat sie in den USA, Österreich und Estland gearbeitet. Ihre Forschungen beschäftigen sich mit der Verfertigung von wissenschaftlichen Bildern mit dem Schwerpunkt auf der Zellbiologie und der Wahrnehmung von Räumen im mikroskopischen Bereich wie im makroskopischen der Landschaft.

9. Dezember: Peter BECKER (Linz) - Gastprofessor für „Österreichische Geschichte mit Schwerpunkt im 19. und 20. Jahrhundert" am IfG in diesem Semester
„Von Mäusen und anderen Menschen. Neurowissenschaften und Kriminologie im Gespräch
"
Moderation: Thomas Fröschl

Abstract: Seit den 1990er Jahren lässt sich ein nachhaltiges Vordringen von Neurowissenschaftern in gesellschaftspolitische Diskussionen verfolgen. Hirnforscher sind heute public intellectuals, die als Experten zu Fragen der Sicherheits- und Bildungspolitik gehört werden. Ich werde diesen Weg aus dem Labor in die politische Öffentlichkeit aus einer wissenssoziologischen Perspektive analysieren. Mich interessieren die Übersetzungsstrategien, die Erkenntnisse über aggressives Verhalten von genmanipulierten Mäusen für die Diskussion über menschliches Gewaltverhalten in einem gesellschaftlichen Kontext nutzbar machen.

Zur Person: Peter Becker studierte Geschichte, Soziologie und Kunstgeschichte an der Universität Graz. Anschließend war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Geschichte, Göttingen, und am DHI in Washington, DC. Habilitation an der Universität Göttingen 2000 mit einer Arbeit zur Geschichte der Kriminologie als Diskurs und Praxis. Als Professor für Central European History am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz (1997-2005) entwickelte er ein neues Forschungsprojekt zur Kulturgeschichte der Verwaltung. In den letzten vier Jahren vertrat er an der Universität Linz die Professur für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte. - Wichtigste Publikationen: Dem Täter auf der Spur. Eine Geschichte der Kriminalistik Darmstadt (2005). Verderbnis und Entartung. Zur Geschichte der Kriminologie des 19. Jahrhunderts als Diskurs und Praxis (2002). Sprachvollzug im Amt. Kommunikation und Verwaltung im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts (Transcript 2009 - Herausgeber; im Druck); The Criminals and their Scientists. The History of Criminology in International Perspective. Hg. gemeinsam mit Richard Wetzell (2006); Little Tools of Knowledge: Historical Essays on Academic and Bureaucratic Practices. Hg. gemeinsam mit William Clark (2001).

16. Dezember: Katharina REINHOLDT (Saarbrücken/Mainz) - in Kooperation mit dem IEFN
„Ein Leib in Christo werden" - Sexualität als Ritual im Täufertum des 16. Jahrhunderts

Moderation: Andrea Griesebner

Abstract: Die Brisanz des Themas Ehe bei den Täufern des 16. Jahrhunderts entspringt dem Generalverdacht, dem sich die Bewegung seit ihrer Entstehung 1525 ausgesetzt sah. Die Obrigkeiten und die konfessionelle Polemik behaupteten, der Täuferglaube erlaube eigenmächtige Ehetrennungen und führe zu deviantem Sexualverhalten. Beide Vorwürfe waren, wie die Quellen zeigen, nicht ganz unbegründet, sie lassen sich aber auch nicht generalisieren. Trotzdem hat der Vorwurf des „Libertinismus" die Fremdwahrnehmung und die Selbstdarstellung der Täufer beeinflusst und das historische Bild dieser religiösen Minderheit nachhaltig geprägt. In meinem Vortrag werde ich anhand von ausgewählten Fallbeispielen die religiöse Dimension der devianten Sexualität im Täufertum vorstellen. Setzt man das deviante Verhalten mit den Glaubensvorstellungen der gemäßigteren Täufer in Beziehung, so wird deutlich, das hier in krasser Form ein zentrales Motiv des täuferischen Glaubens gelebt wird: die Sehnsucht, „ein Leib in Christo" zu werden.

Zur Person: Studium der Geschichte und Politik an der University of York, England; 2001 Bachelor of Arts in History (Abschlussarbeit: „Eichmann in Jerusalem and the ‘Jewish Spectacles'. The controversy over Hannah Arendt's "Eichmann in Jerusalem" in the Jewish Press in New York City 1963-1964"); 2003 Master of Arts in Early Modern Social and Cultural History als Stipendiatin des Arts and Humanities Research Board (Abschlussarbeit: "Marriage, Sexuality and Salvation. The Dreames Sect in Franconia 1531"); seit Oktober 2003 wiss. Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Frühe Neuzeit der Universität des Saarlandes, Prof. Dr. Wolfgang Behringer; ab Oktober 2009 Stipendiatin am Institut für Europäische Geschichte in Mainz.

13. Jänner: Fabian JONIETZ (München) - in Kooperation mit dem IEFN
„Physiognomik als Kunst- und Künstlerkritik: Guido Cagnacci und der Topos des hässlichen Künstlers
"
Moderation: Friedrich Polleroß

Abstract: Seit der 1934 von E. Kris und O. Kurz vorgelegten Schrift zur „Legende vom Künstler" gehört die Untersuchung postumer Stilisierungen von Künstlerpersönlichkeiten zum Repertoire kunsthistorischer Forschung. Ein zwischen Biographik und Porträt angesiedelter, am Beispiel des 1663 in Wien verstorbenen Malers Guido Cagnacci vorgestellter Nebenschauplatz betrifft das Aussehen des Künstlers: Basierend auf physiognomischen Lehren konnte seine Physis via des Charakters linear mit dem bildnerischen Werk verbunden und im Umkehrschluss eine Kritik am Werk in Äußerungen über sein Aussehen fundiert werden.

Zur Person: Studium der Kunstgeschichte, Neueren und Neuesten Geschichte und Kath. Theologie in München und Florenz, M.A. 2006. Im Anschluss Projektmitarbeiter an der Akademie der Bildenden Künste München, 2007-08 DAAD-Stipendiat am Kunsthistorischen Institut in Florenz, seit 2008 wiss. Mitarbeiter im kunsthistorischen Teilprojekt des SFB 573 „Pluralisierung und Autorität in der Frühen Neuzeit". Dissertationsvorhaben zu den „Ragionamenti" Giorgio Vasaris.

20. Jänner: Valeria HEUBERGER (Wien) - in Kooperation mit der Kulturabteilung der U.S. Embassy in Wien
Muslime in den USA in Geschichte und Gegenwart"
Moderation: Thomas Fröschl

Abstract: Muslime in den USA. sind ethnisch, sprachlich und kulturell heterogene Gruppen, deren Zahl zwischen 2,5 und sieben Millionen angegeben wird und die mehrheitlich Sunniten sind. Hinsichtlich Ausbildung und Einkommen liegen sie vielfach über dem gesamtamerikanischen Durchschnitt. Muslime kamen in verschiedenen Einwanderungswellen in die USA, seit dem 19. Jh. und der 1. Hälfte des 20. Jh. etwa aus dem Osmanischen Reich bzw. seinen Nachfolgestaaten im Nahen Osten. Weitere Zuwanderergruppen kamen nach dem Zweiten Weltkrieg bzw. in den 1990er Jahren aus dem Iran, aus arabischen und afrikanischen Staaten, aus Südostasien sowie aus dem Balkanraum, etwa aus Bosnien-Herzegowina und Albanien. Der Islam in den USA wird aber auch durch Konvertiten geprägt, zu denen vielfach African-Americans (z.B. „Nation of Islam" oder „Black Muslims") und zunehmend auch Hispanics zählen. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erlebte die Beschäftigung mit dem Islam in den USA einen großen Aufschwung und erhielt sowohl in gesellschaftspolitischer als auch in wissenschaftlich-akademischer Hinsicht eine neue Dimension.

Zur Person: Valeria Heuberger, Mag.phil., Dr.phil., Studium der Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Ost- und Südosteuropas, der Volkskunde und der Kunstgeschichte an der Universität Wien. Tätigkeit am Institut für Kirchenrecht der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien und am Österreichischen Ost- und Südosteuropa-Institut; derzeit Mitarbeit in der Balkan-Kommission der ÖAW. Lehrtätigkeit am Austro-American Institute of Education, Wien; 2006 Austrian History Lecturer in Irland; 2007 Teilnahme am International Visitor Leadership Programme des U.S. Department of State.

27. Jänner: Ruben GALLO (Princeton)
„Freud's Mexico: His collection of pre-Columbian antiquities"

Moderation: Martina Kaller-Dietrich

Abstract: This talk analyzes Freud's pre-Columbian antiquities - a part of the collection that has never been studies before. What role do these Mexican and Peruvian pieces play in a collection mostly devoted to Greco-Roman and Egyptian art? What do they tell us about Freud's collecting habits, and about his perception of Meso-America? And how did pre-Columbian cultures fit into the development of civilization traced in works like "Totem and Taboo"? Of particular interest will be the relation between European and non-European cultures in Feud's worldview - a topic that has been explored by Edward Said in "Freud and the non-European".

Zur Person: Rubén Gallo is the author of „Mexican Modernity: The Avant-Garde and the Technological Revolution" (2005), an essay about machines and modern culture in early twentieth century Mexico. He has also published „New Tendencies in Mexican Art" (2004) and „The Mexico City Reader" (2004), two books on Mexico City's urban art and visual culture. He is currently at work on a new book: „Freud in Mexico: The Neuroses of Modernity". He teaches at Princeton University and lives in New York City. Currently he is Fullbright scholar in Vienna and teaches at the Department of History at the University of Vienna.

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