Geschichte am Mittwoch (GaM) im WS 2005/06

Ort: Universität Wien - Institut für Geschichte, HS 45
Zeit: Mittwoch, 18.00 c.t. - 20.00 Uhr

Wenn Sie per Mail eingeladen werden wollen, mailen Sie bitte an folgende Adresse: veranstaltungen.geschichte@univie.ac.at

Organisation und Planung: Ursula Prutsch
Für die IEFN-Vorträge: Susanne Pils

 

5. Oktober 2005 – Alexander HECHT (Wien)
Audiovisuelle Quellen in der Geschichtswissenschaft
Moderation: Karl Brunner

Abstract: Fotografie, Radio, Film und Fernsehen werden in ihrer Bedeutung als Quellen für die Geschichtsforschung immer noch unterschätzt. Zugleich wird die Masse an audiovisuellem Material fast schon unübersehbar. Höchste Zeit also, sich Gedanken über die Auswertung und Interpretation dieses Quellenbestandes im Rahmen der Geschichtswissenschaft zu machen. Wo können bereits bewährte Methoden der Quellenkritik übernommen werden und wo müssen neue Wege der Quelleninterpretation gefunden werden? Zusätzlich soll auch der Frage nachgegangen werden, warum so viele HistorikerInnen den audiovisuellen Massenmedien als Verbreitungsplattform für die Ergebnisse ihre Forschung misstrauen.
Zur Person: geboren 1974 in Wien, Studium der Geschichte und Romanistik (Französisch und Italienisch) an der Universität Wien, Sponsion 1998, Master of Advanced Studies nach Abschluss des Ausbildungskurses am Institut für Österreichische Geschichtsforschung 1998, Promotion 2005 mit einer Arbeit über die audiovisuelle Quellenkunde; seit Juni 1998 Mitarbeiter der Abteilung „Dokumentation und Archive“ des ORF, Dokumentar, Redakteur und Projektmanager für internationale Projekte; seit 2003 Lektor für Mediengeschichte an der Universität Wien

12. Oktober 2005 – Katharina SIMON MUSCHEID (Bern)
"Und welches weib verhuret auff den wein ist, die schleusst allen thugenden die thür zu" Geschlechterordnung, Tugend und Alkoholdiskurs im Mittelalter (in Kooperation mit dem IEFN)
Moderation: Karl Vocelka

Abstract: Die mittelalterlichen „Alkoholdiskurse“ widerspiegeln geschlechtsspezifische Wertvorstellungen und Rollenzuschreibungen. Sie liefern insbesondere theologisch und sozial begründete Argumentationsketten gegen das weibliche Trinken. Der von Kirche und Gesellschaft geforderte weibliche Tugendkatalog legt großen Wert auf Mäßigkeit beim Essen und Trinken. Die mittelalterlichen Hausbücher thematisieren „Frau und Alkohol“ in drei Bereichen: als theologisch-moralischen Diskurs, als medizinisch-diätetische Ratschläge; als lebensweltlich-praktische Hinweise für die Konservierung von Wein (Hauswirtschaft).
Zur Person: Studium der Geschichte (Mittelalters und Neuzeit), der Lat. Philologie, der Ur- und Frühgeschichte in Basel. 1982–1989 wissenschaftliche Assistentin. 1986 Promotion bei Prof. F. Graus (Basler Handwerkszünfte im Spätmittelalter). 1999 Habilitation bei Prof. R. C. Schwinges in Bern (Die Dinge im Schnittpunkt sozialer Beziehungsnetze, 14.–16. Jh.). Privatdozentin in Bern. Lehraufträge und Lehrstuhlvertretungen in Bern, Zürich, Freiburg (CH), Luzern.

19. Oktober 2005 – Martina KALLER-DIETRICH/ David MAYER/ Ursula PRUTSCH/ Barbara REISNER (Wien)
Präsentation der Lerneinheiten des Projektes „Lateinamerika-Studien Online“ (LASON) zu Geschichte und Politik Lateinamerikas (ACHTUNG!! "Die Veranstaltung findet ausnahmsweise im HS 23, Juristenstiege, 1. Stock statt.")
Moderation: Gerhard Drekonja

Abstract: Lateinamerika-Studien Online (LASON), das vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (BMBWK) im Rahmen der Initiative Neue Medien in der Lehre (NML) gefördert und am Österreichischen Lateinamerika-Institut verankert wurde, bietet didaktisch aufbereitete Inhalte zu lateinamerikanischen Themen für Lehrende und für Studierende an. Das Ziel besteht in der Schaffung eines virtuellen Lernraumes. Die Lernmaterialien aus den Bereichen Kultur, Geschichte/Politik, Natur und Wirtschaft, die einen interdisziplinären Pool an Wissensinhalten im Netz darstellen, wurden mit der Software Mind Manager erstellt, sind frei zugänglich und miteinander verlinkt. Im Rahmen des Moduls Geschichte/Politik gestaltete Martina Kaller-Dietrich die Lerneinheit „Mais – Ernährung und Kolonialismus in Lateinamerika“, zusammen mit David Mayer „Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert . Ein historischer Überblick“ und zusammen mit Studierenden der Geschichte „Tierra y Libertad. Die Landfrage in Mexiko im 19. und 20. Jahrhundert. Exkursion des Instituts für Geschichte der Universität Wien, WS 2002“. Ursula Prutsch erstellte eine Lerneinheit zu „Brasilien 1889-1985. Von der Ersten Republik bis zum Ende der Militärdiktatur.“ Barbara Reisner betreute die technische Umsetzung der Lerneinheiten.
Zu den Personen: Martina Kaller-Dietrich, ao.Univ.Prof. Dr., Professorin für neuere Geschichte an der Universität Wien, Forschungsschwerpunkte Globalgeschichte, Ernährungsgeschichte, Lateinamerika im 19. und 20. Jahrhundert, Entwicklungstheorien, Projektkoordination der Lerneinheit Politik/Geschichte von LASON David Mayer, Mag.; Studium Geschichte und Internationale Entwicklung in Wien; Assistent in Ausbildung am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universtität Wien, Mitarbeit am Projekt LASON; Übersetzer von Immanuel Wallersteins „Modern World System III“; Forschungsschwerpunkte Geschichte sozialer Bewegungen (insbes. Lateinamerikas); Ursula Prutsch, Mag. Dr., Gastprofessorin für Neuere Geschichte an der Universität Wien, Mitarbeit an der Lerneinheit Politik/Geschichte von LASON, Forschungsschwerpunkte: Geschichte Lateinamerikas 19. und 20. Jahrhundert, Beziehungen USA - Lateinamerika, Migration, Kulturtransfers Barbara Reisner: Mag., Studium der Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie, seit 2001 am Lateinamerika-Institut beschäftigt, hier u.a. Projektmitarbeiterin bei „Lateinamerika-Studien Online“ (LASON) und „ÖKU Online“ (Ökonomie, Kultur, Umwelt).

9. November 2005 – Sigrid WADAUER (Salzburg)
Mobilität als Zusammenhang von Praktiken (in Kooperation mit dem IEFN)
Moderation: Thomas Winkelbauer

Abstract: „A vagrant – a person without a domicile – gives trouble not only to the police but also to definitions of migration.“ (Charles Tilly). Der Wohnsitz(wechsel) ist zentraler Anhaltspunkt für Migrationsforschung. Nicht zufällig, denn Migrationsforschung entstand im und steht in Zusammenhang mit staatlicher Politik und Verwaltung. Der Vortrag diskutiert Mobilität als einen Zusammenhang von Praktiken von unterschiedlicher Wirksamkeit: von Praktiken, die verschiedene Formen, mehr oder minder mobil/sesshaft zu sein, unterscheiden und hierarchisieren. Unter welchen Bedingungen und in welchen Zusammenhängen sind also Mobilität und Sesshaftigkeit Zwang, Stigma, Abenteuer, Tugend oder Bereicherung? Was ist daran modern, oder aber traditionell und überkommen?
Zur Person: Dr. Phil., Studium der Geschichte in Wien. Forschungsarbeiten zu Autobiographik und Mobilität im Handwerk, Berufsverboten und Entlassungen im Nationalsozialismus, Erwerbsarbeit und Mobilität im Österreich der Zwischenkriegszeit. Seit 2004 Hertha Firnberg-Stelle am Fachbereich Geschichts- und Politikwissenschaft der Universität Salzburg. Publikationen: Die Tour der Gesellen. Handwerk und Biographie vom 18. und bis zum 20. Jahrhundert. Frankfurt a. M., New York 2005.

16. November 2005 – Hubert WEITENSFELDER (Wien)
„Römlinge“ und „Preußenseuchler“. Konservative, Liberale und der Kulturkampf in Vorarlberg, 1860 bis 1914
Moderation: Rupert Klieber

Abstract: Trotz der frühen Industrialisierung Vorarlbergs und der damit verbundenen Entstehung einer Fabrikarbeiterschaft wie auch einer überwiegend liberalen Schicht von Fabrikbesitzern dominierte in diesem Kronland das konservative (später christlichsoziale) Lager die Politik. Liberale (später Deutschnationale) und Sozialdemokraten waren eher schwach vertreten. Der Vortrag basiert auf mehrjährigen Forschungen und thematisiert anhand einer Reihe von Beispielen die vielfältigen Konfliktfelder zwischen den klerikalen „Kasinern“ und den Liberal-Deutschnationalen, wobei die Letzteren bisher in der Geschichte dieser Region kaum dargestellt wurden. Zur Sprache kommen Auseinandersetzungen um Aspekte der katholisch dominierten Kultur (z.B. Zivilehe, Zivilbegräbnis, Feuerbestattung), Ergebnisse der Naturwissenschaften und literarischer Geschmack (Darwin und der Darwinismus, der Bregenzerwälder Dichter Franz Michael Felder), öffentliche Aufführungen und Auftritte (Theater, Kinematograph, Vorträge), Körperkultur (Tanz, Turnen, Kleidung), der Kampf um die Schule und die Vorherrschaft an den Universitäten, Ausprägungen des Antisemitismus in beiden weltanschaulichen Lagern sowie die wichtige Funktion konstruierter „Geschichten“ für die jeweiligen Anhänger (Jesuiten, Freimaurer, „moderne Sagen“). Weitere Anliegen sind die Einordnung dieser oft sehr lokal bzw. regional geführten Auseinandersetzungen in den Kontext anderer Kronländer und der Versuch, die kleinen Ereignisse und Gesten als Elemente einer allgemeinen „Grammatik“ des Kulturkampfs zu begreifen.
Zur Person: Hubert Weitensfelder, geb 1959 in Dornbirn, Studium in Innsbruck und Graz, in den 1990er Jahren freischaffender Historiker, Univ.Doz. am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien, betreut den Sammlungsbereich „Handwerkliche und industrielle Produktionstechnik“ am Technischen Museum Wien. Forschungsschwerpunkte der letzten Jahre: Regional- und Technikgeschichte im 18. bis 20. Jahrhundert (Vorarlberg, Quecksilberbergbau, österreichische Erfinder).

23. November 2005 – Petra GENTZ-WERNER (Berlin)
Wer schrieb Alexander von Humboldts Kosmos? Über die Arbeitsmethoden eines Genies
Moderation: Mitchell Ash

Abstract: 1845, als der erste Band erschien, war Humboldt bereits 76 Jahre alt. Als der zweite Teil der Öffentlichkeit präsentiert wurde, war er 78, beim vierten schließlich 89. Der fünfte Band, der ein Fragment und im Wesentlichen das von dem Philologen Eduard Buschmann geschaffene Register enthält, erschien postum. In den ersten zwei Bänden entwarf Humboldt ein „Naturgemälde“, zwei weitere Bände sind neuen Erkenntnissen in Astronomie und den Geowissenschaften gewidmet. Ein fast Neunzigjähriger, der das Weltwissen seiner Zeit auf dem Gebiet von Geologie und Astronomie zusammenfasst? Das macht neugierig und misstrauisch zugleich. Wie schwer Humboldt die Arbeit am Ende fiel, wird durch seine Korrespondenz bestätigt. So hatte er einem Freund schon 1847 geschrieben, dass an die 30 Bücher wegen seiner „lästigen Arbeit zum Cosmos“ ständig bei ihm auf Stühlen aufgeschlagen lägen. Später klagte er, besonders Band III nehme seine Kraft in Anspruch. Der Vortrag basiert auf einer Analyse der Humboldtschen Zettelkästen zum Kosmos, die in seinem Nachlass erhalten geblieben sind. Sie sind die Grundlage für eine Analyse seines Netzwerks und der umfangreichen Hilfe, die er von den bedeutendsten Wissenschaftlern seiner Zeit bekommen hat – Gelehrte haben ihn mit Informationen versorgt, mit ihm über den Titel diskutiert, mehrfach die Druckfahnen korrigiert.
Zur Person: Petra Werner, Privatdozentin an der TU Berlin, Mitarbeit in der Alexander-von-Humboldt-Forschungsgruppe der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin (frühere Preußische Akademie); Studium der Biochemie in Leipzig, Promotion zur Metabolismusforschung von Fungiziden; Habilitation 1990 zur Sauerstoffatmungstheorie Otto H. Warburgs (Nobelpreis 1931). Nach 1990 Arbeit im Forschungsbereich „Wissenschaftliche Neuvorhaben“ der Max-Planck-Gesellschaft, ab 1994 an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften; zahlreiche Arbeiten zu A. v. Humboldt; mehrfache Vortrags- und Forschungsaufenthalte in den USA, Australien, Estland und Japan; Spezialgebiete: Wissenschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Publikationen (Auswahl): Ein Genie irrt seltener/Otto Heinrich Warburg- ein Lebensbild in Dokumenten. Weinheim/Berlin 1991, 397 S.; Die Gründung der Königlichen Biologischen Anstalt auf Helgoland und ihre Geschichte bis 1945. Helgoländer Meeresuntersuchungen, Vol. 47 (Suppl.) (1993) 182 S.; Otto Warburg und das Problem der Sauerstoffaktivierung, Marburg 1996, 387 S.; Vitamine als Mythos/ Dokumente zur Geschichte der Vitaminforschung Berlin 1998, 346 S.; Der Heiler. Tuberkuloseforscher Friedrich Franz Lothar Friedmann. Berlin 2000, ca. 300 S. ; Himmel und Erde. Alexander von Humboldt und sein Kosmos. 2004.

30. November - Susan Zimmermann (Wien/Budapest)
Hausarbeit, Frauenbewegung und die Konflikte um die Zukunft der Moderne zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Moderation: Edith Saurer

Die Auseinandersetzung mit dem Problem der Hausarbeit und der Haushaltsreform stellte für die verschiedenen Strömungen der sozialdemokratischen wie bürgerlichen Frauenbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts keineswegs einen der ‚großen’ Bereiche der Aktivitäten und Diskurse dar. Dennoch lassen sich gerade anhand der Analyse dieser Auseinandersetzung, und ihrer Leerstellen, zentrale Dimensionen der Selbstverortung der Frauenbewegung in den Konflikten um die Zukunft der modernen Gesellschaft herausarbeiten. Im Problemfeld Hausarbeit verbanden sich Fragen der ungleichen geschlechtspezifischen Arbeitsteilung auf das innigste mit Fragen der gesellschaftlichen Teilung der Arbeit in bezahlte und unbezahlte, kommodifizierte und nicht (unmittelbar) kommodifizierte, erwerbs- und versorgungsorientierte Tätigkeiten und deren ungleicher Beziehung zueinander. Einig waren sich alle Flügel der Frauenbewegung in der Wahrnehmung der zeitgenössischen Lage der Frauen als Gefangene in einem Zwischenland geschlechtspezifisch unvollständiger oder verzögerter Modernisierung, und in der Wahrnehmung dieser Modernisierung als unvermeidlich oder erstrebenswert. Zutiefst uneinig waren sich die Protagonistinnen darin, welchen Beitrag die 'nachholende Modernisierung’ der Frauen zur (Um-)Gestaltung dieser Moderne leisten sollten. Dies hing zentral mit den Unterschieden in der Bewertung des Beitrags der versorgungsorientierten Tätigkeiten zur Gestaltung dieser Moderne und mit den Visionen über deren Zukunft im Rahmen dieser Moderne zusammen.
Susan Zimmermann ist Professor of History an der Central European University (Budapest), am Department of History sowie am Department of Gender Studies, und Gastprofessorin für Österreichische Geschichte an der Universität Wien, wo sie seit vielen Jahren auch im Modul Globalgeschichte bzw. im Bereich der Theorien der Geschichte und der Ringvorlesungen Außereuropäische Geschichte unterrichtet. Ihre Interessen liegen in der vergleichenden politischen und Sozialgeschichte der Habsburgermonarchie mit den Schwerpunkten soziale Politik und politische Bewegungen, und in der Geschichte transnationaler Beziehungen und Arbeitsteilungen mit dem Schwerpunkt Internationalismen im 19. und 20. Jahrhundert. In jüngster Zeit ist erschienen: The Challenge of Multinational Empire for the International Women’s Movement: The Case of the Habsburg Monarchy, in: Journal of Women’s History 17 (2005) 2.

7. Dezember 2005 – Ingrid MATSCHINEGG (Krems)
Geschichte spinnen. Möglichkeiten und Herausforderungen netzbasierter Forschung und Lehre (in Kooperation mit dem IEFN)
Moderation: Karl Vocelka

Abstract: Unumstritten ist der Erfolg der sog. „neuen Medien“ in der Arbeitspraxis von HistorikerInnen. Wir nutzen das Netz, um an aktuelle Informationen und digitale Ressourcen zu gelangen. Demgegenüber besteht bei der Erstellung von Online-Materialien und Lerninhalten für das Internet noch Distanz. Zu den zukünftigen Herausforderungen zählt es, geeignete Forschungsinfrastrukturen zu schaffen, um verteiltes Wissen zu erschließen. Im Vortrag werden Erfahrungen und Probleme – wie etwa stärkere User-Einbindung, zielgruppengerechte Produktion von Wissensinhalten oder die Möglichkeiten kollektiver Schreibprozesse im Internet – anhand von gegenwärtig laufenden kulturwissenschaftlichen Pilotprojekten (mit zeitlichem Schwerpunkt Spätmittelalter/Frühe Neuzeit) aufgezeigt.
Zur Person: Studium der Geschichte und Germanistik. Lektorin am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien. Mitarbeiterin in Forschungsprojekten zur Sozial- und Alltagsgeschichte in Spätmittelalter und früher Neuzeit. Langjähriger Arbeitsschwerpunkt: Computergestützte Methoden in den Geschichtswissenschaften. Seit 2001 am Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit in Krems tätig.

14. Dezember 2005 – Verena OFNER (Wien)
Der historische Roman: Eine „Zwittergattung“ im Spannungsfeld zwischen Literatur und Geschichtsschreibung? – Grundprobleme des Genres am Beispiel der Exilliteratur
Moderation: Martina Fuchs

Abstract: Seit seinem ersten Erscheinen am Ende des 18. Jahrhunderts ist der historische Roman fortwährend einer Legitimationsdebatte über Berechtigung, Sinn und Zweck der Gattung unterworfen. Literaturkritiker beanstandeten die Verwendung geschichtlicher Fakten im literarischen Werk, wodurch sie die natürlichen Grenzen der Dichtkunst verletzt sahen. Die Historiker wiederum bezweifelten die historische Objektivität der Gattung und bezichtigten den historischen Roman der Geschichtsfälschung und bewussten Täuschung der Leser. Ist der Geschichtsroman also ein „unrechtmäßiger Zwitter“ zwischen literarischer Fiktion und historischen Fakten? Neue Ansätze zur Beurteilung finden sich erst im 20. Jahrhundert, ausgelöst durch einen wahren Boom des Genres während der Exilzeit. Viele Autoren (Heinrich Mann, Stefan Zweig, Lion Feuchtwanger, Robert Neumann etc.) wandten sich, vor allem am Beginn des Exils, der umstrittenen Gattung zu. Und auch nun brandete die Diskussion über Sinn und Unsinn dieser Werke hoch: Sollten sie als Flucht vor den Problemen der Gegenwart oder doch als scharfe Zeitkritik mittels der Geschichte gewertet werden? Über die (bis jetzt sehr spärliche) literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem historischen Roman, über seine Probleme und sein Potential soll im Vortrag ein kurzer Überblick gegeben werden.
Zur Person: Verena Ofner, Mag. phil., Studieum der Germanistik und Geschichte an der Universität Wien (1997-2004), Diplomarbeit zum Thema „Die historischen Romane Robert Neumanns. Eine Analyse“. Seit 2004 Lehrtätigkeit in den Fächern Deutsch und Geschichte am BG/BRG Hollabrunn und am BG/BRG Stockerau.

11. Jänner 2006 – Andreas KAPLONY (Zürich/ Wien)
Das Verkehrsnetz Zentralasiens: Raumgliederung in der mittelalterlichen arabisch-islamischen Geographie
Moderation: Marlene Kurz

Abstract: Zur Zeit schließe ich eine Untersuchung ab, wie die arabischen und persischen Geographen Handel und Verkehr auf einem Teilstück der Seidenstrasse, nämlich in Zentralasien darstellen. Die Fülle der Angaben der Geographen über Import- und Exportprodukte, Entfernungen, Verwaltungseinheiten usw. ist überwältigend. Dabei gehen sie streng geographisch vor: sie behandeln Region für Region, Ort für Ort, verweisen aber häufig auf Parallelen in anderen Regionen und Orten. Im Laufe meiner Arbeit habe ich diese Datenflut in Text und etwa 100 Karten festgehalten – die Visualisierung hat mir sehr geholfen, manche Zusammenhänge zu sehen. In meinem Referat werde ich vorstellen, wie diese alten Geographen den Raum mit den Elementen Landschaft (z.B. Fruchtland, Steppe und Gebirge), Verkehrsknotenpunkte (etwa Städte und Militärklöster), Strassen (Überlandstrassen und Zubringer) und Warenfluss (etwa Sklaven, Felle und Edelmetalle) gliedern.
Zur Person: geb. 1960, 1986-1990 Assistent am Historischen Seminar Zürich, Abt. Alte Geschichte. 1990-1995 Assistent am Institut für Islamwissenschaft Bern. 1994 Promotion in Allg. Geschichte/Arabischer Sprache und Literatur über muslimisch-byzantinische Diplomatie in den Jahren 639-750. 1995-1998 Stipendiat des Schweizerischen Nationalfonds, 2 Jahre Forschungsaufenthalt in Jerusalem. 2001 Habilitation in Islamwissenschaft über den Haram (Tempelberg) von Jerusalem (324-1099). 2001 Forschungsstipendiat der Gerda Henkel-Stiftung und Leiter des E-Learning-Projektes „Arabic Papyrolog School“ (www.ori.unizh.ch/aps). Seit 2004 Ass.Prof. für Islamwissenschaft am Orientalischen Seminar Zürich. Forschungsschwerpunkte: arabische Papyri, arabisch-persische Geographie und Karthographie, Handel und Verkehr auf der Seidenstrasse.

18. Jänner 2006 - Hans-Georg HOFER (Freiburg i.B.)
"Kriegsneurosen. Die Wiener Psychiatrie und der Erste Weltkrieg".
Moderation: Christa Hämmerle

Abstract: In den vergangenen Jahren sind im Zuge kulturgeschichtlicher Herangehensweisen an den Ersten Weltkrieg verstärkt medizin- und körperhistorische Themen bearbeitet worden. Dabei sind auch die Psychiatrie und die „Kriegsneurosen“ in den Fokus der Weltkriegsforschung gerückt. An den Körpern zitternder Soldaten wurde der moderne, industrialisierte Krieg auf eine zutiefst erschreckende Weise deutlich. Gleichzeitig war die Psychiatrie als neue medizinische Spezialdisziplin aufgerufen, diese Phänomene zu benennen, zu erklären und zu behandeln. Hier setzt dieser Vortrag an: Die bisherige Forschung hat – der Studie des Psychoanalytikers Kurt Eissler folgend – die Wiener Psychiater im Wesentlichen als inkompetente und inhumane Therapeuten qualifiziert, die Soldaten mit elektrischen Strömen folterten und zu neuerlichem Frontdienst zwangen. In meinem Vortrag möchte ich zunächst diese moralisch-retrospektive Deutung problematisieren. Das oft zitierte Diktum von den „Maschinengewehren hinter der Front“ (Freud) ist für eine historische Einschätzung der Rolle der Wiener Psychiater nur wenig brauchbar, da es aus dem Kontext jener Deutungskämpfe über die „Wahrheit“ der Kriegsneurosen stammt, die im Krieg und in der Nachkriegszeit zwischen Psychiatern und Psychoanalytikern losbrachen. Wie aber ist mit der Historizität von psychischen Erkrankungen im Ersten Weltkrieg umzugehen? Worüber sprechen wir, wenn wir von „Kriegsneurosen“ sprechen? Und wie kann die Wiener Psychiatrie im Ersten Weltkrieg unter Berücksichtigung kulturhistorischer und komparativer Perspektiven neu bestimmt werden? Auf diese Fragen soll im zweiten Teil des Vortrages eingegangen werden.
Zur Person: Studium und Promotion (Geschichte) an der Karl-Franzens-Universität Graz. 1999/2000 Junior Fellow am IFK in Wien, seit 2000 Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Freiburg. 2004 bis 2005 Visiting Fellow am Centre for the History of Science, Technology and Medicine, University of Manchester. Monographie: Nervenschwäche und Krieg. Modernitätskritik und Krisenbewältigung in der österreichischen Psychiatrie (1880-1920). Wien, Köln, Weimar: Böhlau 2004.

25. Jänner 2006 – Ralph DOBLER (Rom)
Die Cappella Cerri in Il Gesù - Religion und Repräsentation in der römischen Mutterkirche der Jesuiten (in Kooperation mit dem IEFN)
Moderation: Friedrich Polleroß

Abstract: Der Vortrag wird die Ausstattung und die Ikonographie der Cappella Cerri in der römischen Mutterkirche der Jesuiten vorstellen. Form und Inhalt werden aus dem sozialen Kontext ihrer Entstehung heraus erklärt. Hierbei ist zu zeigen, wie sich die verschiedenen, teils komplementären Intentionen der beteiligten Parteien und die entsprechenden Funktionen des kleinen Sakralraums auf die Dekoration auswirkten. Aufgrund einer günstigen gesellschaftlichen Konstellation konnten in der Familienkapelle die Spiritualität der Jesuiten und die Selbstdarstellung der Stifter in außergewöhnlicher Weise in Einklang gebracht werden.
Zur Person: Studium der Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Religionswissenschaft an den Universitäten Tübingen, Venedig und Berlin (FU). 2000 Magister Artium. 2001-2003 Doktorandenstipendiat der Bibliotheca Hertziana und Mitglied der Forschungsgruppe "Strategien frühneuzeitlicher Repräsentation". Promotion 2004 an der FU Berlin. Seit Juli 2004 wissenschaftlicher Assistent an der Bibliotheca Hertziana - Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte

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