Geschichte am Mittwoch - Geschichte im Dialog

Programm SS 2013

Ort: Universität Wien - Institut für Geschichte, HS 45
Zeit: Mittwoch, 18.30 s.t. - 20.00 Uhr

Wenn Sie per Mail eingeladen werden wollen, mailen Sie bitte an folgende Adresse: veranstaltungen.geschichte@univie.ac.at

Organisation, Planung und Audioaufzeichnungen: Stefan Zahlmann
Für die IEFN-Vorträge: Susanne Pils

 

6.3.: Goran Novakovic, Anna-Vera Deinhammer, Andrea Romstorfer: Ein Denkmal für Trümmerfrauen. Ein Denkmal für GastarbeiterInnen.

Vortrag zur Bewerbung um ein Lektorat am Institut für Geschichte

Zum Thema "Ein Denkmal für Trümmerfrauen. Ein Denkmal für GastarbeiterInnen." möchte der Arbeitskreis "3dimensionale Geschichte" ein Projekt vorstellen, welches das Konzept für ein experimentelles, multidisziplinäres, 2-semestriges Seminar zum Inhalt hat. Dieser Lehrveranstaltungsentwurf entspricht dem Studienplanpunkt "Modul Angewandte Geschichte" im Rahmen des Masterstudiums Geschichte und mehrerer Schwerpunktgruppen, wie zum Beispiel: Österreichische Geschichte; Frauen- und Geschlechtergeschichte; Historisch-kulturwissenschaftliche Europaforschung; Wirtschafts- und Sozialgeschichte; Zeitgeschichte.

Zu den Personen:
Prof. Goran Novaković
Goran Novaković (1962) studierte Vergleichende Literaturwissenschaft, Publizistik und Germanistik in Belgrad und Wien. Seit 1991 lebt und arbeitet er in Wien: seit 20 Jahren im Integrationsbereich und als Lehrer für BKS an den Wiener VHS. Er ist Herausgeber bzw. Autor und Übersetzer mehrerer Publikationen.

DI Anna-Vera DeinhammerAnna-Vera Deinhammer hat nach ihrem Abschluss an der Höheren Graphischen Bundes- Lehr- und Versuchsanstalt Wien XIV Architektur an der Technischen Universität Wien studiert. Nach Ihrem Abschluss mit der Diplomarbeit "Zur Systematik & Struktur von Membranfassaden & -hüllen" inskribierte sie an der Fakultät für Bauingenieurswesen am Institut für interdisziplinäres Bauprozessmanagement um an ihrer Doktorarbeit "Struktur:Erleben:Leichtbau - Studie zur architektonischen Qualität von Leichtbaustrukturen" zu arbeiten, welche sich hauptsächlich der Erlebnisqualität von Architektur nach den drei Forderungen Vitruvs - firmitas, utilitas, venustas - und den Forschungen Joedickes widmet.

 

Mag. Andrea Romstorfer
Andrea Romstorfer hat nebst ihrem Abschluss an der Höheren Graphischen Bundes- Lehr- und Versuchsanstalt Wien XIV das Diplomstudiums Geschichte an der Universität Wien absolviert und ist daher sowohl in den Grundlagen der Ästhetik, als auch der Geisteswissenschaften bewandert. Ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte beziehen sich auf Aspekte der neueren und neuesten Geschichte Zentral-, Ost- und Südosteuropas, speziell in Hinblick auf Nationalismustheorien, Identitätsbildungsprozessen, Alltags- und Kulturgeschichte, sowie neue Medien der Geschichtswissenschaft.

 

13.3.: Ingrid Schraffl (Wien) / Martina Grempler (Wien): Opera buffa in Wien während der gemeinsamen Regentschaft von Maria Theresia und Joseph II.

 
Jour fixe des Instituts für die Erforschung der Frühen Neuzeit

Moderation: Andrea Sommer-Mathis

 

Abstract: Im Rahmen des Vortrags wird das seit 2009 laufende FWF-Forschungsprojekt Opera buffa in Wien (1763-1782) präsentiert. Es befasst sich mit den komischen italienischen Opern, die aus anderen Städten nach Wien importiert wurden. Seit den späten 1760er-Jahren, für die man von einer ersten Glanzzeit der Opera buffa in Wien sprechen kann, verzeichneten diese Werke einen großen Erfolg beim Publikum, der sich teilweise bis in die Zeit des 1776 begründeten Nationaltheaters fortsetzte. Einen besonderen Schwerpunkt des Projekts bildet die Anpassung dieser Opern an die lokalen Aufführungsbedingungen in Wien, die zum Teil gravierende textliche und musikalische Veränderungen beinhaltete.

Zu den Personen:
Ingrid Schraffl, geboren in Rom, Studium der Musikwissenschaft an der Universität Wien, Promotion (2012) mit einer Dissertation über Opera buffa und Spielkultur (Betreuer Prof. Gernot Gruber), durch das DOC-Stipendium der Akademie der Wissenschaften gefördert. Magister Artium in Klavier IGP (2009) an der Universität für Musik und darstellende Kunst. Wien. Klavierdiplom (2002) am Staatlichen Konservatorium Latina (Rom). Seit 2009 Mitarbeit am FWF-Forschungsprojekt Opera buffa in Wien (1763-1782).

Martina Grempler (Universität Wien), Studium der Musikwissenschaft an der Universität zu Köln, dort Magister Artium sowie 1996 Promotion mit einer Arbeit zu Rossini. Tätigkeit als Musikdramaturgin in Mannheim und Karlsruhe. Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Historischen Institut Rom sowie an der Universität Bonn. 2007 Habilitation in Bonn mit einer Schrift zum römischen Theaterleben. Seit 2009 Mitarbeiterin des Projekts Opera buffa in Wien.

 

 

20.3.: Verena Moritz und Hannes Leidinger: Oberst Redl. Der Spionagefall. Der Skandal. Die Fakten.

Präsentation der aktuellen Veröffentlichung

Leidinger, Hannes, Univ. Doz. Mag. Dr., geb. 1969, Studium der Geschichte, der Klassischen Archäologie und der Ur- und Frühgeschichte, Lehraufträge an den Instituten für Geschichte und Zeitgeschichte der Uni Wien, Gastprofessur an der Uni Wien; zahlreiche Publikationen. Forschungsschwerpunkte: Österreichische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert, Geschichte der Sowjetunion, Filmquellen zur Geschichte Österreichs, Habsburgermonarchie, Erster Weltkrieg, Geschichtstheorien, Historische Suizidologie, Kapitalismus-, Sozialismus-, Kommunismus- und Kriegsgefangenenforschung, Militär- und Spionagegeschichte.

Moritz, Verena, Mag. Dr., geb. 1969, Geschichte- und Slawistikstudium an der Universität Wien; Lehraufträge an den Instituten für Geschichte und Zeitgeschichte der Universität Wien; zahlreiche Publikationen zur russischen/sowjetischen sowie zur österreichischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhundert, Filmgeschichte oder zum Ersten Weltkrieg; Mitarbeiterin mehrerer Forschungsvorhaben, Leiterin des FWF-Projektes „Österreichisch-sowjetische Beziehungen 1918-1938“; Mitglied der österreichisch-russischen Historikerkommission.

 

 

10.4.: Klaas Van Gelder (Ghent): A poisoned inheritance? The Southern Netherlands and the establishment of the Austrian regime (17161725)

Jour fixe des Instituts für die Erforschung der Frühen Neuzeit

Moderation: Stephan Steiner

Abstract: This paper focuses on the establishment of the Austrian regime in the Southern Netherlands after the War of the Spanish Succession. These remote regions never topped the Viennese wish list, and the Barrier Treaty of 1715 considerably restricted the sovereignty of the new ruler. As a result, the new regime faced serious problems right from the start, both on a financial level, concerning relations with influential cities and Estates, and regarding the legitimacy of the new monarch, Charles VI. These illustrate the inherent difficulties of governing a dynastic agglomeration which the Austrian monarchy clearly was. In this paper I will explain the  often hesitant and sometimes unfortunate ways in which the new administrators dealt with the above-mentioned challenges. In addition, I will argue that in doing so, the first decade of Austrian rule was a learning process with a lasting impact under Charles VI and Maria Theresa.

 

Zur Person: Klaas Van Gelder finished his PhD on the establishment of the Austrian regime in the Southern Netherlands at the end of 2011 (Ghent University, Belgium). On October 1, 2012, he started a postdoctoral research project funded by the Flanders Research Foundation on the changing interactions between central government and local and regional administrative levels in the Austrian Netherlands. His publications include articles in the Revue d’Histoire moderne et contemporaine and the Zeitschrift für Historische Forschung.

 

17.4.: Peer Vries: Die Geburt des modernen Wirtschaftswachstums.

Abstract: In dieser Sitzung werde ich mein neues Buchmanuskript vorstellen. Die wohl spannendsten Debatte in der globalen Wirtschaftsgeschichte dreht sich um die Frage, warum zu einem bestimmten Zeitpunkt – die meisten Wissenschaftler setzen diesen im 19. Jahrhundert an – bestimmte Regionen der Erde nicht nur viel reicher wurden als der Rest, sondern dies auch blieben. Dieses Phänomen wird seit Kenneth Pomeranz ein Buch mit dem Titel The Great Divergence, China, Europe and the making of the modern world economy im Jahr 2000 veröffentlichte als Great Divergence bezeichnet. Vor dem Auftreten dieser Divergenz waren alle Gesellschaften dieser Welt, gemessen an unseren gegenwärtigen Vorstellungen, relativ arm, die Wirtschaft stagnierte und kannte weder wesentliches noch anhaltendes Wachstum. Zur Great Divergence kam es schließlich, als wenige, fast ausschließlich westliche, Gesellschaften modernes Wirtschaftswachstum erlebten, das schließlich zu riesigen globalen Wohlstands- und Entwicklungsunterschieden führen sollte. Meine Forschungen der letzten 20 Jahren beschäftigten sich mit der Entstehung modernen Wirtschaftswachstums und den Anfängen dieser globalen Divergenz. Diese Thematik hat zuletzt durch neue Interpretationen, aber auch durch den rasch fortschreitenden 'Niedergang des Westens' weiter an Relevanz gewonnen.In meinem Buch beschreibe, interpretiere und evaluiere ich die Debatten zur Great Divergence und zeige insbesondere die Unterschieden in den Zugängen, Methoden und Thesen von Globalhistorikern, Wirtschaftshistorikern und Ökonomen auf. Es handelt sich also um einen Versuch, darzustellen, wo wir momentan in dieser Debatte stehen, welche Positionen nach wie vor Gewicht haben und welche an Glaubwürdigkeit verloren haben. Dies geschieht nicht durch einen historiographischen Abriss über die geführte Debatte, sondern durch eine themenspezifische Abhandlung, bei der die wirtschaftswissenschaftliche Auseinandersetzung mit Wirtschaftswachstum als Ausgangspunkt dient, um Behauptungen über unmittelbare und tieferliegende Ursachen für solches Wachstum zu testen.

 

Zu Peer Vries: http://wirtschaftsgeschichte.univie.ac.at/mitarbeiterinnen/wissenschaftliche-mitarbeiterinnen/vries/ http://wirtschaftsgeschichte.univie.ac.at/mitarbeiterinnen/wissenschaftliche-mitarbeiterinnen/vries/

 

24.4.: Andrea Bottanová (Wien): Wissen-Können-Wissenschaft. Wiener Studenten und Lehrer und ihre Karrieren im Spätmittelalter

Moderation: Meta Niederkorn

Zur Person: Mag. Andrea Bottanová, MA studierte 2002-2008 an der Universität Wien Geschichte und 2008-2011 an derselben Universität Geschichtsforschung, Archivwissenschaft und historische Hilfswissenschaften. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit der Geschichte der Bildung und Wissenschaft im Mittelalter, sowie mit Stadtgeschichte und mittelalterlicher Paläographie.

8.5.: Claudine Cohen (Paris): The Descent of Woman. Gender in pre-historic studies

Moderation: Marianne Klemun

Abstract: The question of the place and roles of women has long been marginal in the investigations of prehistory in Western Europe.  "Prehistoric Man" fueled scientific debates and popular representations since the 19th century, while prehistoric women often remained objects of fantasies and commonplaces. Myths inspired by the Biblical Genesis, or inherited from the Christian tradition, and the status it traditionally assigned to women in the family and in society, long projected stereotypic  views on our understanding of  women in the prehistoric past.
However, the sciences of human evolution and prehistoric cultures have sometimes attempted to overcome this so-called “women’s archaeological invisibility”. What scientific discoveries, studies and evidence have contributed to giving a signification to the condition of women in the prehistoric past ? What evolutionary roles, social places and status, what powers, real or symbolical, have been assigned to them? Our inquiry will examine in particular the influence of feminist movements, and their relationship to this scientific endeavor. It will examine hypothesis drawn from evolutionary biology, paleontological, archaeological and artistic evidence that forged new research orientations, but also sometimes created new myths that have come to overlap traditional frameworks.
Through these questions, we will attempt to draw conclusions on the status of the sciences of human prehistory as disciplines, on their methods, on the nature of their evidence, on the stories they construct and the way they are deeply linked to different social, political, economic contexts, and - more generally - on the question of the relationships between anthropological sciences and society.

Zur Person:
Claudine Cohen is a specialist in history and the philosophy of Life and Earth Sciences, namely paleontology, paleo-anthropology, prehistoric archaeology, and the related disciplines (geology, evolutionary biology , anthropology), from Early Modern to contemporary times. Her research also concerns scientific imagination and the public dissemination of this scientific knowledge, particularly in the arts and literature.
She owns a double academic affiliation in the sciences (Biology, Earth Science) and in the Humanities (history of science, Arts and Languages), being a Professor  at the Ecole Pratique des Hautes Etudes (3rd sections, Earth and Life Sciences), where she serves as the Director of the research program “Biology and Society” - and a Maître de Conférences at the Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales (Paris).

Main Publications:

Boucher de Perthes, Les origines romantiques de la préhistoire (with J.-J. Hublin, Paris, Belin, 1989)
Le Destin du Mammouth (Paris, Seuil, 1994) new edition Points/Seuil 2004)
English translation The Fate of the Mammoth, Fossils, myths and history  The University of Chicago Press 2002
L'Homme des origines, savoirs et fictions en préhistoire  (Paris, Seuil, 1999),
La Femme des origines (Paris, Belin Herscher 2003, new ed. 2006),
Spanish translation La Mujer de los Origenes ed. Catedra, Valencia,2011
Un Néandertalien dans le métro (Paris, Seuil, 2007)
Leibniz’s  Protogaea (first  edition in the English language, translation from  Latin and  introduction, with  A. Wakefield)  Chicago, The University of Chicago Press 2008, Paperback 2010.
Science, libertinage et clandestinité à l’aube des Lumières (PUF, 2011)
La Méthode de Zadig : la trace, le fossile, la preuve (Paris, Seuil 2011)

 

15.5.: Beat Kümin (Warwick/GB):  Pfarreirepubliken im Alten Reich: Gersau und Dithmarschen als Vertreter einer „anderen“ Frühen Neuzeit

Jour fixe des Instituts für die Erforschung der Frühen Neuzeit

Moderation: Wladimir Fischer

Abstract: In der historischen Forschung wird die Frühe Neuzeit üblicherweise mit Prozessen wie Zentralisierung, Staatsbildung und Konfessionalisierung in Verbindung gebracht. Dieser Vortrag konzentriert sich dagegen auf zwei hochautonome Gemeinwesen – die Mikrorepublik Gersau im Alpengebiet und die Kirchspielföderation Dithmarschen an der Nordsee – um alternative Entwicklungslinien im alten Reich aufzuzeigen. Gefragt wird nach kontext-spezifischen Werten, Praktiken und Problemen, wie sie in Selbst- und Fremddarstellungen erscheinen, sowie generelleren Einsichten für das Epochenverständnis.

Zur Person: Beat Kümin ist Professor für europäische Geschichte der Frühen Neuzeit an der University of Warwick U.K. Seine Forschungsinteressen konzentrieren sich auf Stadt-, Land- und Kirchengemeinden im englisch- und deutschsprachigen Raum. Publikationen umfassen u.a. Drinking Matters: Public Houses and Social Exchange in Early Modern Central Europe (2007) und die Überblicksdarstellung The Communal Age in Western Europe c.1100-1800 (Palgrave, 2013).

 

22.5.: Werner Dreier und Kurt Greussing : Projektvorstellung von erinnern.at – eine Initiative zur Förderung der Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Holocaust

Abstract: Seit mehr als 10 Jahren fördert _erinnern.at_ im Auftrag des Unterrichtsministeriums die Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Holocaust durch Seminare und Lehrgänge für LehrerInnen und durch die Entwicklung von Unterrichtsmaterial.  _erinnern.at_ verortet die NS-Geschichte durch die Netzwerke in den Bundesländern und verbindet sie mit transnationalen Diskursen über die NS-Massengewalt. U.a. nahmen bislang mehr als 500 LehrerInnen an zweiwöchigen Seminaren in Yad Vashem (Israel) teil, das Zentrale Seminar bringt jedes Jahr in einem anderen Bundesland mehr als 100 LehrerInnen und ExpertInnen zu einem mehrtägigen Austausch zusammen, die ZeitzeugInnen-Seminare ermöglichen Kontakte mit jenen ZeitzeugInnen, die noch immer Schulen besuchen. Mehr: www.erinnern.at

Zur Person: Dr. Werner Dreier, Historiker, Lehrer, seit 2000 Geschäftsführer von _erinnern.at. Mitglied der Education Working Group der International Holocaust Remembrance Alliance.

 

29.5. Regina Camara: Die Rezeption der architektonischen Moderne in Brasilien

Ein Vortrag zur Bewerbung um ein Lektorat am Institut für Geschichte

Abstract: Die architektonische Moderne begann in Brasilien Jahrzehnte bevor Oscar Niemeyer als Vorreiter einer Avantgarde gefeiert wurde, die eigentlich schon eine zweite Moderne einleitete. Um die Jahrhundertwende bis zu den 1930er Jahren diskutierten Architekten und Journalisten über die Auswirkungen der internationalen Trends auf die brasilianische Architektur und die Entwicklung der Großstädte (Rio de Janeiro). Nicht die nach künstlerischen Richtlinien konzipierte, sondern die gelebte städtische Realität der Moderne stieß auf Kritik und wurde eher, zugunsten einer Hinwendung zum neokolonialistischen Verständnis von Architektur und Stadtplanung, abgelehnt. Zwei Männer dominierten und formten diese Debatte: der erfolgreiche Architekt Antonio Jannuzzi und der Journalist José Marianno Filho, deren Veröffentlichungen einen Überblick darüber ermöglichen, wie die Zusammenhänge zwischen der Stadt, deren Architektur und Gesellschaft bis zum Auftreten Niemeyers in Brasilien gedacht wurden.

Zur Person: Dr. Regina Câmara ist Historikerin. Promotion über den brasilianischen Autorenfilm. Lehrbeauftragte und wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Universitäten Potsdam, Brasília und Hannover, Kuratorin zahlreicher Filmreihen für kommunale Kinos (Berlin, Hamburg, Potsdam) und seit 2011 in Wien. Derzeit Lektorin am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaften der Universität Wien.

 

5.6.: Martin Gasteiner/Josef Köstlbauer/Eugen Pfister (Wien): Spiel-Geschichte-Computer / ein Werkstattbericht

Im 21. Jahrhundert sind Computer- und Videospiele in diversen gesellschaftlichen Ebenen angekommen. Sie sind Massenmedien des digitalen Zeitalters, Motoren intermedialer Verdichtung, die Film, Fernsehen, Musik und Literatur immer enger zueinander führen und verschränken. Und sie sind Diskursmaschinen, die Politik, Gesellschaft und Kultur reflektieren und mit konstituieren. Zum einen impliziert die Frage nach dem Computerspiel zwangsläufig die Frage nach dem Spiel in der Kultur. Zum anderen sind Computerspiele eingebettet in digitale Mediensysteme, die ein höchst dynamischer Prozess der Konvergenz und Integration auszeichnet. Eine Betrachtung des Spiels als Einzelmedium wird dem nicht gerecht.
Das Werkstattgespräch versucht drei Perspektiven auf dieses Feld zu zeigen und zu debattieren: Simulation, Imagination und Identitäten.

 

12.6.: Peter Konečný (Regensburg/Banská Štiavnica): Bergakademie & Polytechnikum. Reformbestrebungen im Bereich des montanistischen Hochschulwesens    in der Habsburgermonarchie, 1809 - 1849

Moderation: Marianne Klemun 

Abstract: Bereits kurz nach ihrer Gründung (1763/70) wurde die Bergakademie Schemnitz (heute: Banská Štiavnica, SK) zum zentralen Ausbildungsort für montanistische Wissenseliten in der ganzen Habsburgermonarchie. Nach anfänglicher Blüte kämpfte sie seit dem letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts mit einem Niedergang im Bereich der Lehre und Forschung. Im Jahr 1809 wurden deshalb erste Reformbestrebungen in die Wege geleitet. Doch wie sich bald zeigte waren die Probleme der Ausbildung von Bergbaufachleuten eher systematischer Natur. Davon zeugt auch die ideelle Auseinandersetzung der Montanisten mit den Professoren des Wiener Polytechnikums aus der Zeit um 1820. Sie bildet den Höhepunkt einer Reformphase, die vierzig Jahre dauerte und am Ende durch einen brüchigen Kompromiss abgeschlossen wurde.

Zur Person: Peter Konečný, geb. 1978; Studium der Geschichte/Kulturwissenschaft in Bratislava und der Wissenschaftsgeschichte in Regensbrug; Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Projekt Bergbauexperten im 18. Jahrhundert (2006-2009) ebenda; laufendes Promotionsstudium am Lehrstuhl für Wissenschaftsgeschichte in Regensburg; seit Januar 2012 Mitarbeiter im Zentralen Staatlichen Bergarchiv in Banská Štiavnica, SK.

 

19.6.: Elke Meyer (Wien): «die räß kan ich halt noch nit gewonen anä seiner». Die Reisetagzettel der Johanna Theresia Gräfin Harrach

Jour fixe des Instituts für die Erforschung der Frühen Neuzeit

Moderation: Thomas Winkelbauer

Abstract: Von September bis November 1676 reiste Johanna Theresia Harrach (geb. Lamberg) mit ihren Kindern und DienstbotInnen von Madrid nach Wien, während ihr Ehemann Ferdinand Bonaventura I., Gesandter am Spanischen Hof, noch in Madrid verblieb. In dieser Phase der räumlichen Trennung kommunizierte das Ehepaar in Form von sogenannten „Tagzetteln“, in denen Johanna Theresia ihren Ehemann über Sorgen, Überlegungen und Alltägliches unterrichtete. Der gegenwärtige Vortrag soll nun die kürzlich edierten (Reise-)„ Tagzettel“ näher vorstellen, die editorischen Herausforderungen diskutieren und Einblicke in die breit gestreute inhaltliche Zusammensetzung derselben geben.

Zur Person: Elke Meyer studiert seit 2007 Geschichte an der Universität Wien und bearbeitete im Rahmen ihrer Diplomarbeit die Reisetagzettel der Johanna Theresia Gräfin Harrach.

 

26.6.: Claudia Rusch: Autobiographisches Erzählen und zeitgeschichtliches Erinnern.

Claudia Rusch, geboren 1971 in Stralsund, wuchs an der Ostseeküste und in Ostberlin auf. Nach der Wende studierte sie Germanistik und Romanistik in Berlin und Bologna. 2003 erschien bei S.Fischer ihr Bestseller Meine freie deutsche Jugend, ein autobiographischer Erzählband. 2009 folgten ebenfalls bei S.Fischer Aufbau Ost. Unterwegs zwischen Zinnowitz und Zwickau und 2010 im mareverlag Mein Rügen. Zuletzt veröffentlichte sie 2013 den Kriminalroman Zapotek und die strafende Hand. Sie lebt als freie Schriftstellerin in Berlin.In mehreren Veröffentlichungen hat Claudia Rusch ihre Kindheit und Jugend im Umfeld der DDR-Bürgerrechtsbewegung thematisiert. Mit Stefan Zahlmann diskutiert die Autorin über den Stellenwert von Literatur in der DDR und die gesellschaftlichen Funktionen der autobiographischen Reflexion deutsch-deutscher Zeitgeschichte.