Geschichte am Mittwoch – SS 2010

Ort: Universität Wien - Institut für Geschichte, HS 45
Zeit: Mittwoch, 18.00 c.t. - 20.00 Uhr

Wenn Sie per Mail eingeladen werden wollen, mailen Sie bitte an folgende Adresse: veranstaltungen.geschichte@univie.ac.at

Organisation und Planung: Thomas Fröschl
Für die IEFN-Vorträge: Susanne Pils

Übersicht

10. März: Štěpán VÁCHA (Prag) – in Kooperation mit dem IEFN
„Die Adelskapellen der Marienkirche Altbunzlau. Bildausstattung und Stiftungen der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts“

17. März: Berthold MOLDEN (Wien)
„Globalgeschichte der Geschichtspolitik im 20. Jahrhundert“

24. März: Thomas HORST (München)
„Augenscheinkarten – eine Quelle für die Kultur- und Klimageschichte“

14. April: Josef HANDZEL (Krems), Gabriele KLUG (Graz/Bamberg), Christina SCHMID (Krems) – in Kooperation mit dem IEFN
„RaumOrdnungen – Raumfunktionen und Ausstattungsmuster auf Adelssitzen im 14. bis 16. Jahrhundert“

21. April: Elizabeth DANTO (Hunter College, CUNY, New York)
„Psychoanalysis and Red Vienna“

28. April: Ines PEPER (Wien)
Buchpräsentation: „Konversionen im Umkreis des Wiener Hofes um 1700“

5. Mai: Bianca LINDORFER (Wien) – in Kooperation mit dem IEFN
„Zur Bedeutung des Adels im Kulturtransfer: Ferdinand Bonaventura Harrach, Diplomat, Sammler und Kosmopolit“

12. Mai: Zweite Gerald Stourzh-Vorlesung zur Geschichte der Menschenrechte und der Demokratie. Vortragender: Pierre ROSANVALLON (Paris, Collège de France)
"Democracy as Impartiality: History and Problems" - Anderer Ort: Lesesaal der Fachbereichsbibliothek Geschichte

19. Mai: Caroline ARNI (Basel)
„Die Seele des Embryos und die Physiologie des Fötus. Humanwissenschaftliche Konzeptionen des Ungeborenen und die feministische Kritik“

26. Mai: Ferdinand OPLL, Susanne PILS (Wien)
„Präsentation der DVD des Österreichischen Städteatlas“

2. Juni: Elisabeth GRUBER (Wien)
„Networking als Kategorie von Stadtgeschichtsforschung? Städte im habsburgischen Österreich des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit“

9. Juni: Ülle SILLASOO (Tallinn, Estland)
"Plants, religious art and folklore"

16. Juni: Michaela HOHKAMP (Berlin) – in Kooperation mit dem IEFN
„Gemordete Söhne, lebende Schwestern: Herrschaft und Verwandtschaft in historiographischen Texten vom späten Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Geschichte europäischer Geschichtsschreibung aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive“

23. Juni: Lena OETZEL (Salzburg)
„Kritik von der Kanzel: Herrscherkritik bei Elisabeth I. von England (1559-1603) am Beispiel der Hofprediger“

30. Juni: Jonas FLÖTER (Leipzig)
„Eliten-Bildung in Sachsen und Preußen. Die Fürsten- und Landesschulen Grimma, Meißen, Joachimsthal und Pforta (1868–1933)“

 

 

 


Details

10. März: Štěpán VÁCHA (Prag) – in Kooperation mit dem IEFN
„Die Adelskapellen der Marienkirche Altbunzlau. Bildausstattung und Stiftungen der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts“
Moderation: Friedrich Polleroß

Abstract: Die Wallfahrtskirche St. Maria in Altbunzlau gehört zu den bedeutendsten Sakralbauten Böhmens. Entsprechend ihrer religiösen Bedeutung stellte man an den Kirchenbau und dessen Ausstattung hohe Ansprüche. Während die Habsburger das Bauwerk finanzierten, beteiligte sich der böhmische Adel an der Innendekoration, wobei mit der Errichtung des Hauptaltars und der Seitenaltären die vornehmsten böhmischen Familien beauftragt wurden. In Bezug auf die Plünderung der Kirche im Jahr 1640 werden zwei Ausstattungsphasen erläutert, die (Dis-)Kontinuität der adeligen Altarstiftungen behandelt und nicht zuletzt auf die künstlerisch wertvolle, bisher wenig bekannte Bildausstattung Aufmerksamkeit gemacht.

Zur Person: Dr. Štěpán Vácha arbeitet am Institut für Kunstgeschichte der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Prag. Seine Forschungsschwerpunkte sind barocke Malerei, Ordenskunst, die Ikonographie und Repräsentation der Habsburger in der bildenden Kunst. Er veröffentlichte seine Dissertation über die Repräsentation Kaiser Ferdinands II. in der Sakralkunst und ist an der Monographie über die Prager Krönung Karls VI. 1723 beteiligt.


17. März: Berthold MOLDEN (Wien)
„Globalgeschichte der Geschichtspolitik im 20. Jahrhundert“

Moderation: Martina Kaller-Dietrich

Abstract: 1945 und 1989 gelten nicht nur als Wendepunkte der globalen Ereignisgeschichte, sondern auch in der Entwicklung eines zunehmend konventionalisierten Umgangs von Gesellschaften mit ihrer Vergangenheit. Arbeiten wie jene von Elazar Barkan oder Daniel Levy und Nathan Sznaider diagnostizieren, dass sich weltweit normierte geschichtspolitische Praxen, ja sogar ein "Globalgedächtnis" ausbilden. Dennoch gibt es bisher wenig empirische Untersuchungen globaler Verknüpfungen, Transfers, Diffusionen und Rückkopplungen in diesem Feld. Der Vortrag diskutiert aktuelle Forschung und offene Möglichkeiten.

Zur Person: Berthold Molden ist im Sommersemester 2010 Gastprofessor am Institut für Geschichte. Zuvor war er Projektleiter am Ludwig Boltzmann Institut für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit. Seine Forschungsfelder liegen periodisch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, thematisch bei Geschichtspolitik und Geschichtsrepräsentationen sowie perspektivisch in transnationaler und Globalgeschichte, mit Schwerpunkten in Lateinamerika, den USA und Europa.


24. März: Thomas HORST (München)
„Augenscheinkarten – eine Quelle für die Kultur- und Klimageschichte“

Moderation: Marianne Klemun

Abstract: Der kartographiehistorische Vortrag behandelt ausgewählte Augenscheinkarten aus der frühen Neuzeit, wobei der Schwerpunkt auf das bayerisch-tirolische Territorium gelegt wird. Diese bisher in der kartographiehistorischen Forschung nur am Rande behandelten Altkarten wurden zumeist von vereidigten Malern als Beilagen für Gerichts- oder Verwaltungsakten angefertigt („Forensische Kartographie“). Sie skizzieren die bayerische Landschaft in Form von getreuen Momentaufnahmen und können deshalb für kulturgeschichtliche Fragestellungen, aber auch als Proxydaten für die Klimageschichte herangezogen werden.

Zur Person: Thomas Horst, geb. 1980, Studium der Geschichte und Ethnologie an der Ludwig-Maximilans-Universität München, 2002 Auslands-Semester in Wien bei Prof. Dr. Johannes Dörflinger. 2003 und 2005 ethnologische Feldforschung bei den Nachkommen der Mundurukú-Indianer im Amazonasgebiet. 2008 Promotion (über die älteren Manuskriptkarten Altbayerns). Projekte als Postdoktorand: Erforschung der in Bayern verwahrten Globen; frühneuzeitliche Kartographie- und Entdeckungsgeschichte. – Publikation: Die älteren Manuskriptkarten Altbayerns. Eine kartographiehistorische Studie zum Augenscheinplan unter besonderer Berücksichtigung der Kultur- und Klimageschichte, 2 Bde., 2009.


14. April: Josef HANDZEL (Krems), Gabriele KLUG (Graz/Bamberg), Christina SCHMID (Krems) – in Kooperation mit dem IEFN
„RaumOrdnungen – Raumfunktionen und Ausstattungsmuster auf Adelssitzen im 14. bis 16. Jahrhundert“

Moderation: Thomas Winkelbauer

Abstract: Das Projekt „Raum-Ordnungen“ befasst sich mit adeliger Wohnkultur auf Burgen und Schlössern des 14. bis 16. Jahrhunderts im süddeutsch-österreichischen Raum. Im interdisziplinären Studium verschiedener Quellengattungen (Inventare, literarische Texte und archäologische Kleinfunde) werden unter anderem Fragen zu Raumfunktionen, Ausstattungsmustern, Privatheit, Öffentlichkeit und genderspezifischen Aspekten im adeligen Wohnen interdisziplinär erarbeitet, wodurch der Erforschung des Alltagslebens auf Adelssitzen in Spätmittelalter und früher Neuzeit völlig neue Perspektiven eröffnet werden können.

Zu den Personen: Mag.a Christina Schmid studierte Ur- und Frühgeschichte (mit thematischem Schwerpunkt auf der Archäologie des Mittelalters) an der Universität Wien. Seit 2007 Anstellung (im Rahmen des DOC-team-Stipendiums) am Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit (Krems), Dissertation über die Aussagemöglichkeiten archäologischer Funde in Hinblick auf Raumfunktionen und Ausstattungsmuster auf Burgen. – Mag. Josef Handzel studierte Geschichte an der Universität Wien. Seit 2007 Anstellung (im Rahmen des DOC-Team Stipendiums) am Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit in Krems, Dissertation zum Thema Adeliges Wohnen in Österreich Ob- und Unter der Enns im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit. – Mag.a Gabriele Klug studierte Germanistik und Anglistik in Graz und promoviert derzeit an der Universität Bamberg über literarische Raumdarstellung und Raumfunktionen im Melusinenroman Thürings von Ringoltingen. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der deutschen Philologie des Mittelalters. Lehrtätigkeit an den Universitäten Graz und Bamberg.


21. April: Elizabeth DANTO (Hunter College, City University New York)
"Psychoanalysis in Red Vienna"

Moderation: Mitchell Ash

Abstract: In 1919, when Grete and Eduard Bibring joined Wilhelm Reich and Otto Fenichel at the University of Vienna, little did they know how their future as psychoanalysts would be keenly influenced by their anatomy professor, Julius Tandler. In contrast to conventional wisdom about the history of psychoanalysis, in fact both its theory and practice flourished within the social welfare framework of Red Vienna as implemented by Tandler, a friend and champion of Sigmund Freud's. The presentation of this story will be accompanied by slides.

Zur Person: Elizabeth Ann Danto, PhD., is professor of social work at Hunter College and at the Graduate Center, City University of New York. Her book “Freud’s Free Clinics – Psychoanalysis and Social Justice, 1918-1938,” (Columbia UP, 2005) received international praise. She has written and lectured widely on urban mental health including the history of psychoanalysis, and her textbook on historical research methods in the social sciences was published last year by Oxford University Press. Dr. Danto is currently preparing a book on Red Vienna.


28. April: Ines PEPER (Wien)
Buchpräsentation: „Konversionen im Umkreis des Wiener Hofes um 1700“ (=VIÖG 55, Wien u.a. 2010).

Moderation: Martin Scheutz

Abstract: Ausgehend vom Konzept der konfessionellen Grenze werden Konversionen im Umkreis des Wiener Kaiserhofs, unter anderen jene der späteren Kaiserin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel, von verschiedenen Blickwinkeln aus beleuchtet. Durch die Zusammenschau gedruckter Konversionsberichte und archivalischer Quellen werden zeitgenössische Erfahrungsweisen und Diskurse im Zusammenhang mit dem Konfessionswechsel und sichtbar macht und gleichzeitig auf ihre sozialen, religionsgeschichtlichen und politischen Hintergründe rückbezogen.

Zur Person: 2005 Verleihung des Franz-Stephan-Preises der Österreichischen Gesellschaft zur Erforschung des 18. Jahrhunderts (gemeinsam mit Thomas Wallnig) für die Dissertation „Konversionen im Umkreis des Wiener Hofes“, seit April 2008 wissenschaftliche Mitarbeiterin des START-Projekts "Monastische Aufklärung und die benediktinische Gelehrtenrepublik"


5. Mai: Bianca LINDORFER (Wien) – in Kooperation mit dem IEFN
„Zur Bedeutung des Adels im Kulturtransfer: Ferdinand Bonaventura Harrach, Diplomat, Sammler und Kosmopolit“

Moderation: Katrin Keller

Abstract: Die Kulturtransferforschung hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen, auch hinsichtlich der Erforschung der frühen Neuzeit. Die zentrale Rolle der Aristokratie in diesen Prozessen fand in der Forschung jedoch bislang wenig Beachtung. Am Beispiel Ferdinand Bonaventura Harrachs (1637–1706) wird auf die Bedeutung des Adels als Vermittler und Träger frühneuzeitlicher Kulturtransferprozesse eingegangen. Das Hauptaugenmerk wird dabei auf Harrachs Aktivitäten während seiner Zeit als kaiserlicher Botschafter in Madrid in den Jahren 1674–1677 und 1698/99 gelegt. In dieser Zeit wurde unter anderem der Grundstein für die Harrach’sche Gemäldegalerie gelegt, die zu einer der eindrucksvollsten Sammlungen mediterraner Barockmalerei Mitteleuropas zählt.

Zur Person: Bianca Lindorfer studierte Geschichte in Wien, Sponsion 2003; 2004 Lehrtätigkeit an der Universität Brno und Veröffentlichung der Diplomarbeit „Kampf gegen Windmühlen. Der niedere Adel Kastiliens in der frühen Neuzeit“; von 2004-2008 Doktorandin am European University Institute, Florenz, Promotion 2009 zum Thema „Cosmopolitan Aristocracy and the Diffusion of Baroque Culture“. Forschungsschwerpunkte: Sozial- und Kulturgeschichte des frühneuzeitlichen Adels, Kulturtransfer unter besonderer Berücksichtigung der österreichisch-spanischen Beziehungen.


12. Mai: Zweite Gerald Stourzh-Vorlesung zur Geschichte der Menschenrechte und der Demokratie.
Vortragender: Pierre ROSANVALLON (Paris, Collège de France)

"Democracy as Impartiality: History and Problems"

Abstract: Majority rule is not only a realistic principle of decision. As a pluralistic regime, democracy recognizes the divergence of interests and opinions, and electoral competition is organized around these differences and conflicts. In this respect, majority rule also means partisan politics: choosing sides, taking a stand. Yet at the same time there can be no democracy without a shared world and recognition of shared values, so that conflict need not escalate to the extreme of civil war. Both dimensions are legitimate and are to be respected. There is therefore a need to distinguish between majoritarian institutions on the one hand and impartial institutions (of consensus) on the other. The lecture will explore this dual nature of democracy. It will propose a democratic (and not only a liberal) theory of impartiality and discuss the types of corresponding institutions.

Zur Person: Pierre Rosanvallon ist Professor für Politikgeschichte der Neuzeit am Collège de France und einer der bedeutendsten Demokratiehistoriker und ­Theoretiker unserer Zeit. Seine Arbeiten wurden in 22 Sprachen übersetzt. Nach einer Reihe von Werken zur Geschichte der Demokratie und des Verhältnisses von Staat und Zivilgesellschaft in Frankreich sind die ersten beiden Bände einer international vergleichenden Trilogie zum historischen Wandel moderner Demokratien erschienen: La Contre­démocratie: la politique á l’âge de la défiance (2006, engl. 2008), La légitimité démocratique. Impartialité, réflexivité, proximité (2008). Siehe auch: Democracy Past and Future (2006). Homepage von Pierre Rosanvallon.


19. Mai: Caroline ARNI (Basel)
„Die Seele des Embryos und die Physiologie des Fötus. Humanwissenschaftliche Konzeptionen des Ungeborenen und die feministische Kritik“

Moderation: Christa Ehrmann-Hämmerle

Abstract: Zugleich parallel und gegenläufig zur biologischen Engführung von Zeugungs- und Vererbungskonzepten setzte im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts eine „Psychophysiologisierung“ der embryo-fötalen Entität ein, die im 20. Jahrhundert in ein heterogenes Feld pränataler Psychologien – unter anderem psychoanalytischer Prägung – münden sollte. Dieser historisch noch wenig beachtete Strang humanwissenschaftlicher Konzeptualisierung des Ungeborenen wird im Referat rekonstruiert und in Beziehung gesetzt zu feministischen Analysen der fetal personhood der vergangenen Jahrzehnte.

Zur Person: Ass. Prof. Dr. Caroline Arni, Studium der Geschichte und Soziologie sowie Promotion in Geschichte an der Universität Bern („Entzweiungen. Die Krise der Ehe um 1900“, Köln 2004); Forschungsaufenthalte an der EHESS in Paris, am KWI Essen und am
DHI Paris; Member am Institute for Advanced Study, Princeton; Habilitationsprojekt zur historischen Epistemologie und Anthropologie der Prokreation und der embryonalen Entität in der Moderne; seit 2009 Assistenzprofessorin für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Basel.

Dieser Vortrag wurde von der Arbeitsgruppe Frauen- und Geschlechtergeschichte in Verbindung mit der "Forschungsplattform zur Neuverortung der Frauen- und Geschlechtergeschichte im veränderten europäischen Kontext" organisiert.


26. Mai: Ferdinand OPLL und Susanne PILS (Wien)
„Präsentation der DVD des Österreichischen Städteatlas“

Moderation: Martin Scheutz

Abstract: Das Projekt historischer Städteatlanten wurde bisher in 17 europäischen Ländern umgesetzt. Der Österreichische Städteatlas erscheint seit 1982 und bietet derzeit Atlasmappen zu 59 Städten. In Ergänzung zu den bisher nur gedruckt vorliegenden Stadtmappen wird mit der nunmehr erschienenen und von der ungarischen Firma ARCANUM produzieren DVD der Schritt zur digitalen Nutzung vollzogen. An solch einem Produkt, insbesondere im Zusammenhang mit Lehre und Forschung, aber auch von Seiten privater Nutzer/innen, besteht seit längerem erhöhtes Interesse. Die vorliegende DVD enthält sämtliche Teile der bisher erschienenen Druckversionen des Österreichischen Städteatlas, von den reichhaltigen Abbildungen über die neu gezeichneten historischen sowie reproduzierten Abbildungen bis hin zu den umfangreichen Kommentaren bzw. Erläuterungen.

Zu den Personen: Ferdinand Opll, ao. Univ.-Prof. Dr., Direktor des Wiener Stadt- und Landesarchivs und bis Ende 2009 Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Stadtgeschichtsforschung. Zahlreiche Publikationen zur Stadtgeschichtsforschung, zur (Wiener) Stadtgeschichte und zur mittelalterlichen Geschichte. – Susanne Pils, Dr., Mitarbeiterin im Wiener Stadt- und Landesarchiv, seit 1992 Redakteurin des Österreichischen Städteatlas. Zahlreiche Publikationen zur (Wiener) Stadtgeschichte in der frühen Neuzeit. – Sándor Biszak, Firma ARCANUM/Ungarn (http://www.arcanum.hu/idegennyelvu/iny_StadtAtl.html)


2. Juni: Elisabeth GRUBER (Wien)
„Networking als Kategorie von Stadtgeschichtsforschung? Städte im habsburgischen Österreich des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit“

Moderation: Christina Lutter

Abstract: Im Mittelpunkt des Habilitationsprojektes steht die Analyse ausgewählter Städte Österreichs ob der Enns, Böhmens und der Untersteiermark im Zeitraum zwischen 1400 und 1600 hinsichtlich deren ökonomischer, administrativer, rechtlicher und politischer Bezugspunkte. Die Städte Freistadt und Steyr České Budějovice/Budweis sowie die untersteirischen Städte Ptuj/Pettau und Celje/Cilli werden dabei auf Basis von einschlägigem Quellenmaterial einer genaueren Betrachtung unterzogen. Die Auswertung personenbezogener Daten aus bereits ediertem Urkundenmaterial stellt dabei einen ersten methodischen Zugang dar. Ziel ist es, strukturelle Merkmale dieser Städte in Hinblick auf Verwaltung und Verfassung, auf die personellen Beziehungen und Kommunikationsformen innerhalb der Bürgerschaft, auf die Beziehungen zwischen Stadt und Umland, auf Handelsbeziehungen und Wissenstransfer zu beschreiben und vergleichend zu analysieren.

Zur Person: Dr. Elisabeth Gruber, Univ.-Ass. am Institut für Geschichte der Universität Wien; Lehramtsstudium Geschichte und Sozialkunde und Deutsche Philologie, Promotion im Fach Geschichte an der Universität Salzburg („Öffentliches Bauen in einer österreichischen Kleinstadt im Spätmittelalter am Beispiel der Stadtgrabenrechnung Freistadt 1389-1392“), Magisterstudium Geschichtsforschung, Historische Hilfswissenschaften und Archivwissenschaft, Schwerpunkt Medienarchive an der Universität Wien, Institut für Österreichische Geschichtsforschung. Forschungsschwerpunkte: Spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Stadtgeschichte, Kulturvermittlung, Oberösterreichische Landesgeschichte.


9. Juni: Ülle SILLASOO (Tallinn, Estland)
"Plants, religious art and folklore"

Moderation: Marianne Klemun

Abstract: Religious art can be studied art historically, from the theological point of view, or by analysing contexts, such as material objects and landscapes. When analysing contexts it must be taken into consideration the religious concept of the image, and its narrative or devotional function. The selection of plants in background landscapes depend on these aspects. Scenes pictured in landscapes can function as narratives. In a way plant depictions in these landscapes represent religious folklore, which has survived not in the oral or written, but pictorial form. Next to realistic manifested symbols realistic disguised symbols occur, which are supposed to support the meditation, approaching each other the viewer and the religious concept.

Ülle Sillasoo: “After having graduated from Tartu University as a botanist, I worked on plant macrofossils from medieval urban layers in Estonia. My master theses at the department of medieval studies in Central European University, Budapest, focused on food in late medieval Estonian towns. I started studying plant depictions in late medieval altar paintings during my doctoral studies in Budapest under the supervision of Prof Gerhard Jaritz. I continue researching the topic (part time) in the project ‘Landscape practice and heritage’ at Tallinn University.”


16. Juni: Michaela HOHKAMP (Berlin) – in Kooperation mit dem IEFN
„Gemordete Söhne, lebende Schwestern: Herrschaft und Verwandtschaft in historiographischen Texten vom späten Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Geschichte europäischer Geschichtsschreibung aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive“

Moderation: Andrea Griesebner

Abstract: Im Feld der aktuellen Forschung über Familien und Verwandtschaften der europäischen Frühneuzeit wird in der Regel von zwei strukturellen Veränderungen in der Konfiguration von Verwandtschaft ausgegangen: Die eine Transformation wird zwischen dem Mittelalter und dem Beginn der Frühneuzeit lokalisiert, die andere in der Mitte des 18. Jh. Für das 15. und 16. Jh. kann (nicht nur) in adeligen Kontexten eine stärkere Betonung familiärer Kohärenz beobachtet werden, die auf Prozesse frühmoderner Staatsbildung bezogen wird. Diese Veränderungen sind verknüpft mit bestimmten Formen der Güter- und Herrschaftsweitergabe, die sich an männlichen, vertikal angeordneten Konzepten von Verwandtschaft und Familie zu orientieren beginnen. Die Forschung konnte eine zunehmende Zahl von endogamen Eheschließungen seit der Mitte des 18. Jh. beobachten. Die diskursiven Seiten dieser Verschiebungen fanden in genealogischen, juristischen und theologischen Texten einen Niederschlag. Im Vortrag soll frühneuzeitliche Historiographie als Teil dieser umfassenden Transformation interpretiert werden; dabei geht es darum, die historiographische Produktion der Frühen Neuzeit zwischen dem 15. und 18. Jh. aus geschlechterspezifischer Perspektive vorzustellen und Veränderungen hinsichtlich verwandtschaftlicher Repräsentationen herauszuarbeiten.

Zur Person: Michaela Hohkamp ist Professorin an der FU Berlin (Frühe Neuzeit, Historische Anthropologie, Geschlechtergeschichte). Sie war u. a. Forschungsassistentin am Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen und Visiting Fellow am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Lokal- und Regionalgeschichte der Frühneuzeit, europäische Adelsgesellschaften zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert, Geschlecht, Herrschaft und Gewalt in der Frühen Neuzeit, frühneuzeitliche Geschichtsschreibung. - Ausgewählte Publikationen: Do Sisters have Brothers? Or the Search for the ‘rechte Schwester.’ Brothers and Sisters in Aristocratic Society at the Turn of the Sixteenth Century, in: Ch. H. Johnson/D. W. Sabean (Hg.), Sibling Relations and the Transformations of European Kinship (2010); Sicherheit oder Drohgebärde? Überlegungen zum Ausnahmezustand frühneuzeitlicher Herrschaft am Beispiel der [vorderösterreichischen] Obervogtei und Kameralherrschaft Triberg im ausgehenden 18. Jahrhundert, in: A. Lüdtke/M. Wildt (Hg.), Staats-Gewalt: Ausnahmezustand und Sicherheitsregimes. Historische Perspektiven (2008).


23. Juni: Lena OETZEL (Salzburg)
„Kritik von der Kanzel: Herrscherkritik bei Elisabeth I. von England (1559-1603) am Beispiel der Hofprediger“

Moderation: Arno Strohmeyer

Abstract: Herrschaft war in der Frühen Neuzeit weder statisch noch absolut, sondern dynamisch. Sie war Verhandlungssache zwischen dem Herrscher und seinen Untertanen. Herrscherkritik ist ein Teil dieses Kommunikationsprozesses, wobei die Untertanen ihre Erwartungen an den Herrscher artikulieren. Die Kritik darf jedoch nicht isoliert betrachtet werden, sondern die Reaktion des Herrschers auf die Kritik muss mit einbezogen werden. Es ist ein ständiges Wechselspiel von Aktion und Reaktion. Das Beispiel Elisabeths I. von England (1558-1603) und ihrer Prediger zeigt besonders anschaulich diesen kommunikativen Aspekt von Kritik. Zwar war Elisabeth Oberhaupt der Anglikanischen Kirche, doch bedeutete dies nicht, dass sie außerhalb der Kritik stand. Im Gegenteil, der Klerus, der mit dem gegenwärtigen Stand der kirchlichen Reformen nicht einverstanden war, kritisierte sie zum Teil heftig und erinnerte sie an ihre Verantwortung gegenüber der englischen Kirche und dem Seelenheil ihrer Untertanen. Es soll gezeigt werden, wie vor allem die Hofprediger ihre Kritik äußerten, welche Techniken und Argumentationsmuster sie verwendeten und wie sie das Medium Predigt zu ihren Zwecken nutzten. Wie reagierte Elisabeth auf diese Kritik? Was war sie bereit zu akzeptieren und was nicht?

Zur Person: Lena Oetzel hat in Bonn Mittlere und Neuere Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaften studiert (Magisterarbeit: „Die Herrschaftslegitimation Elisabeths I. von England am Beispiel der Krönung und ausgewählter politischer Reden“). Seit November 2007 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Geschichte der Universität Salzburg. In ihrem Dissertationsprojekt beschäftigt sie sich mit der Herrschaftskritik bei Elisabeth I.


30. Juni: Jonas FLÖTER (Leipzig)
„Eliten-Bildung in Sachsen und Preußen. Die Fürsten- und Landesschulen Grimma, Meißen, Joachimsthal und Pforta (1868–1933)“

Moderation: Thomas Fröschl

Abstract: Die Fürsten- und Landesschulen zu Grimma, Meißen und Pforta sowie das Joachimsthalsche Gymnasium „nehmen unter den deutschen Gelehrtenschulen eine herausragende Stellung ein“ (Friedrich Paulsen). Das zeigte sich vor allem im weit überdurchschnittlichen Niveau ihrer Bildungs- und Erziehungsarbeit und der Exzellenz ihrer Absolventen. Im Laufe der über vierhundertjährigen Geschichte der Schulen wurden dort viele Persönlichkeiten herangebildet und erzogen, die später in die wissenschaftliche, politische und gesellschaftliche Elite Deutschlands aufstiegen. Im Vortrag werden die vier Fürsten- und Landesschulen im Zeitraum von 1868 bis 1933 vergleichend betrachtet. Dabei wird auf die Bildungs- und Erziehungskonzeptionen der Schulen eingegangen, eine sozialgeschichtliche Analyse der Lehrer und Schüler vorgenommen sowie Fragen der Elitenformation aufgegriffen. Zum ersten Mal werden dabei die theoretischen Modelle der Leistungselite und der Positionselite auf Fragestellungen der historischen Bildungsforschung angewandt.

Zur Person: Privatdozent Dr. Jonas Flöter studierte Geschichte, Kunstgeschichte und Kulturwissenschaften an den Universität Leipzig, Klagenfurt und Wien. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig und zugleich Koordinator der Senatskommission zur Erforschung der Leipziger Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte.

 

Falls Sie in Zukunft keine Zusendungen von "Geschichte am Mittwoch" erhalten wollen, bitten wir Sie, ein Email mit dem Betreff "Abmeldung" an veranstaltungen.geschichte@univie.ac.at zu senden.
If you do not want to receive our mailings please send an e-mail to: veranstaltungen.geschichte@univie.ac.at