Geschichte am Mittwoch im SS 2009

Ort: Universität Wien - Institut für Geschichte, HS 45
Zeit: Mittwoch, 18.00 c.t. - 20.00 Uhr

Wenn Sie per Mail eingeladen werden wollen, mailen Sie bitte an folgende Adresse: veranstaltungen.geschichte@univie.ac.at

Organisation und Planung: Thomas Fröschl
Für die IEFN-Vorträge: Susanne Pils

 

Übersicht

4. März: Christopher TREIBLMAYR (Wien)
Schwule Skins und bewegte Heteros. Kinematographische Männlichkeitsentwürfe im ‚wiedervereinigten‘ Deutschland der 1990er Jahre

11. März: Ute KÜPPERS-BRAUN (Essen) - in Kooperation mit dem IEFN
Seele immer noch schwarz

18. März: Paolo BUDRONI (Wien)
Gedächtnisorganisation und Kulturerbe: Ein paar Vorschläge für dieses Jahrhundert

25. März: Peter HABER (Basel) - Gastprofessor für „Geschichte, Didaktik und digitale Medien" in diesem Semester
Quellenkritik des Digitalen als neue Schlüsselkompetenz?

1. April: Nicola EDELMANN (Wien)
Spätantike und frühmittelalterliche Chroniken im Spiegel der Zeit

22. April: James SHEDEL (Georgetown University, Washington, D.C.)
Imperial Civics: Three Emperors and ‚The Pursuit of Happiness‘

29. April: Johannes FRIMMEL (Wien) und Michael WÖGERBAUER (Prag) - in Kooperation mit dem IEFN
Unterhaltung und Belehrung als Geschäft. Perspektiven einer Topographie des Buchwesens in der Habsburgermonarchie

6. Mai: Hannes Leidinger (Wien) - Gastprofessor für „Österreichische Geschichte mit Schwerpunkt im 19. Und 20. Jahrhundert" in diesem Semester.
Die ‚Bolschewikenzentrale‘. Wien als Stützpunkt der sowjetischen Außenpolitik 1918-1938

13. Mai: Johannes KOLL (Wien)
Vom Kaiserreich zum Großdeutschen Reich. Arthur Seyß-Inquart und der Nationalsozialismus

20. Mai: Helga PENZ (Wien/Herzogenburg) - in Kooperation mit dem IEFN
Von Hafnern, Hauern, Hunden und Hämorrhoiden. Die Schreibkalender des Dürnsteiner Bauprälaten Hieronymus Übelbacher (reg. 1710-1740)

27. Mai: Aus Anlass des 80. Geburtstages von Gerald Stourzh:
Erste Gerald Stourzh-Vorlesung zur Geschichte der Menschenrechte und der Demokratie. Vortragender: Martin van GELDEREN (Florenz)

3. Juni: Klaus BIRNGRUBER und Thomas KÜHTREIBER (Wien)
Vorstellung des Forschungsprojekts - Adel, Burg und Herrschaft im Unteren Mühlviertel, Oberösterreich (11.- 14. Jahrhundert)

10. Juni: Georg LEHNER (Wien)
China in europäischen Enzyklopädien (1700-1850) - Ergebnisse eines Forschungsprojekts

17. Juni: Kristoffer NEVILLE (Riverside/USA) - in Kooperation mit dem IEFN
Fischer von Erlach's „Entwurff einer historischen Architectur" - New Answers, New Questions

24. Juni: Winfried STELZER (Wien)
Wenn man so zurückblickt ...

 

 

 


 

Details

4. März: Christopher TREIBLMAYR (Wien)
„Schwule Skins und bewegte Heteros. Kinematographische Männlichkeitsentwürfe im ‚wiedervereinigten‘ Deutschland der 1990er Jahre"
Moderation: Wolfgang Schmale

Abstract: Homosexualitäten und insbesondere männliche Homosexualitäten wurden in der Geschichte des Kinos nur selten gezeigt und wenn, wurden sie zumeist als lächerlich stereotypisiert, erregten Mitleid oder bewirkten Furcht. Dies scheint sich - zumindest was die Häufigkeit ihrer Darstellung in den an ein Massenpublikum adressierten Filmen betrifft - seit den 1980er Jahren zunehmend verändert zu haben. In den 1990er Jahren lässt sich gar von einer regelrechten „homosexuellen Spektakularität" (Siegfried Kaltenecker) ausgehen. Ziel des Vortrags ist es, anhand des Kassenschlagers „Der bewegte Mann" (Sönke Wortmann 1994) und des Independentfilms „Oi! Warning - Leben auf eigene Gefahr" (Dominik und Benjamin Reding 1998/2000) die Vielfalt der Repräsentationen und Konstruktionen männlicher (homosexueller) Identitätsentwürfe im deutschen Kino der 1990er Jahre aufzuzeigen und dies aus männergeschichtlicher Sicht mit einer Krise hegemonialer Männlichkeit in Zusammenhang zu bringen.

Zur Person: MMMag. phil., wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Institut für Geschichte der Universität Wien. Studium der Geschichte, der Deutschen Philologie (einschließlich Lehramt), der Publizistik und Kommunikationswissenschaft, der Philosophie, Psychologie und Theaterwissenschaft an den Universitäten Wien und Salzburg, der Technischen Universität Berlin, am Birkbeck College, an der University of London und der London School of Economics. 2002-2004 DOC-Stipendiat (Doktorandenprogramm der ÖA W), 2005-2006 Junior Fellow am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften Wien (IFK), 2007 IFK Research Scholar am German Department der University of California at Berkeley. Publikationen zur Geschichte des Nationalsozialismus sowie zur Männer- und Geschlechtergeschichte.


11. März: Ute KÜPPERS-BRAUN (Essen) - in Kooperation mit dem IEFN
„Seele immer noch schwarz"
Moderation: Stephan Steiner

Abstract: Um die Mitte des 19. Jahrhunderts reiste der Genueser Priester Niccolò Olivieri, unterstützt durch Missionsvereine in Frankreich, Italien, Österreich und Deutschland, wiederholt nach Afrika, um in Kairo und Alexandria Sklavenkinder freizukaufen und sie in europäischen Klöstern erziehen zu lassen. In dem Vortrag sollen sowohl Motive und Ziele der „Wohltäter" als auch Probleme und Konflikte der afrikanischen Kinder vorgestellt werden. Im Anschluss werden Erfolg und Misserfolg dieser Missionsmethode zu diskutieren sein.

Zur Person: 1972-1990 Lehrerin, 1995-2005 Mitarbeiterin am Lehrstuhl Geschichte der Frühen Neuzeit (Prof. Dr. Paul Münch), Universität Duisburg-Essen. Schwerpunkte: Frauenstifte in der Frühen Neuzeit, Sozialgeschichte des Adels, sozialgeschichtliche Probleme der Konfessionalisierung.


18. März: Paolo BUDRONI (Wien)
„Gedächtnisorganisation und Kulturerbe: Ein paar Vorschläge für dieses Jahrhundert"
Moderation: Susanne Blumesberger

Abstract: Bei der Überlieferung des kulturellen Erbes erlebte die Arbeit der humanist communities in den letzten Jahren einige Veränderungen; die Art und Weise wie sie heute arbeiten, Wissen schaffen (knowledge) und publizieren, unterscheidet sich wesentlich von der Art, die wir noch vor wenigen Jahren gewohnt waren. Das Informationszeitalter verändert aber ebenso Archivwesen, Museen, Bibliotheken, Dokumentationszentren, Printmedien, online-media, usw. Es scheint, als könnten die sogen. User die technologischen Entwicklungen rascher verinnerlichen als unsere traditionellen Kulturinstitutionen. Ist bei diesen Entwicklungen ein roter Faden erkennbar? Welche gemeinsamen Aspekte definieren diese Entwicklung? Wie können diese auf technologischer Seite auf eine für alle brauchbare Art und Weise dargestellt werden? Wie kann man digital preservation gestalten, damit sie die wissenschaftliche gute Praxis mit kulturellen Vorhaben so kombiniert, dass der Zugang zu digitalem content auf lange Zeit erhalten bleibt? Der Vortrag beginnt mit einem Verweis auf Italo Calvinos Werk "6 proposals for the next millennium" und nimmt dann auf zwei Artikel von Umberto Eco Bezug; schließlich werden die oben genannten Aspekte in sozusagen "informatische Sprache übersetzt" und auf den Titel des Vortrags rückbezogen.

Zur Person: Studium der Romanistik und Kunstgeschichte; Lehrgang an der Wirtschaftsuniversität Wien und postgraduale Ausbildung in Fragen der Europäischen Integration für die Höhere Verwaltung an der Europäischen Akademie des Bundes. Jahrelang Leiter des Büros für Wissenschaftsdokumentation am Außeninstitut der Universität Wien; zuletzt tätig als Marketingdozent an der Università degli Studi di Perugia (Scienze della Comunicazione) sowie als Marketingleiter und Strategic Business Development Manager für ein Telekommunikationsunternehmen.

Gegenwärtig Leiter des Projekts „Phaidra" (Permanent Hosting, Archiving and Indexing of Digital Resources and Assets) an der Universitätsbibliothek Wien. Es bietet die Möglichkeit, wertvolle Daten universitätsweit zu archivieren, dauerhaft zu sichern, systematisch zu erfassen, mehrsprachig mit deskriptiven Metadaten zu versehen und damit zeitlich unbegrenzt weltweit abrufbar zu machen. Portal und Service: http://www.univie.ac.at/phaidra ; https://phaidra.univie.ac.at/


25. März: Peter HABER (Basel) - Gastprofessor für „Geschichte, Didaktik und digitale Medien" in diesem Semester
„Quellenkritik des Digitalen als neue Schlüsselkompetenz?"
Moderation: Wolfgang Schmale

Abstract: Mit dem digitalen Wandel der Geschichtswissenschaften wird eine Neubestimmung der Quellenkritik notwendig. Dabei stellen sich einige Fragen: Lässt sich eine Quellenkritik des Digitalen direkt ableiten aus der bisher in den Geschichtswissenschaften angewandten Quellenkritik? Ist es Aufgabe der Geschichtswissenschaft, diese Neuorientierung vorzunehmen oder soll sie vielmehr an die Geschichtsdidaktik «delegiert» werden, die bereits angefangen hat, entsprechende Konzepte zu entwerfen? Welche Rolle spielen andere Disziplinen bei diesem Prozess, etwa die Informatik oder die Medienwissenschaft? Und schließlich: Welchen Status soll eine solche neue Quellenkritik des Digitalen erhalten? Entsteht hier gar eine neue historische «Hilfswissenschaft des Digitalen»?

Zur Person: Studium der Geschichte und Soziologie in Basel und Freiburg/Breisgau; Promotion in Basel zu einem Thema der ungarisch-jüdischen Geschichte des 19. Jahrhunderts. Wissenschaftsjournalist u.a. für das Schweizer Radio DRS und die Neue Zürcher Zeitung. Zusatzausbildung in Archiv- und Informationswissenschaften an der Universität Bern. Seit 2005 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsprojekt „digital.past | Geschichtswissenschaften im digitalen Zeitalter" an der Universität Basel. Mitglied der Rezensionsredaktion von H-Soz-u-Kult der Humboldt Universität Berlin; Mitbegründer der Netz-Plattform hist.net und aktiver Wissenschaftsblogger. Seit 1999 Lehrtätigkeit an verschiedenen Hochschulen zu Geschichtswissenschaften und digitale Medien. 2009 erscheint das gem. mit Martin Gasteiner (Wien) herausgegebene Buch „Digitale Arbeitstechniken für die Geistes- und Kulturwissenschaften" (UTB). Internetadresse: www.hist.net/haber.


1. April: Nicola EDELMANN (Wien)
„Spätantike und frühmittelalterliche Chroniken im Spiegel der Zeit"

Moderation: Walter Pohl

Abstract: Frühmittelalterliche Chroniken wurden von der älteren Forschung meist als unbefriedigend und minderwertig angesehen; erst spät fand sich die Wissenschaft bereit, ihnen mehr Bedeutungsdimensionen zuzugestehen. Beispiele aus frühmittelalterlichen Chroniken und ihre Verwendung in der Überlieferung des Mittelalters bilden ein Kernthema des Vortrags; ein weiterer Ausgangspunkt ist die handschriftliche Überlieferung dieser Texte. Die Handschrift Scaliger 14 aus der Leidener Universitätsbibliothek stammt vom Anfang des 9. Jh. und enthält die Chronik des Hieronymus aus dem 4. Jh. und die Chronik des Prosper von Aquitanien aus dem 5. Jh. Im Umgang mit diesen Texten sowohl in Editionen als auch in Handschriften findet sich bewusste Umgestaltung neben zufälligen Bedeutungsverschiebungen, sodass eine sensible Interpretation Vorrang vor großen Entdeckungen hat.

Zur Person: Mag. Nicola Edelmann, geb. 1980 in Wien, Studium der Geschichte an der Universität Wien, ab 2005 Besuch des Magisterstudiums Geschichtsforschung, Historische Hilfswissenschaften und Archivwissenschaft. Seit September 2007 Assistentin in Ausbildung am Institut für Geschichte. Forschungsschwerpunkte: frühmittelalterliche Historiographie, Äußerungen von Identität in frühmittelalterlichen Texten.


22. April: James SHEDEL (Georgetown University, Washington, D.C.)
"Imperial Civics: Three Emperors and ‚The Pursuit of Happiness‘"

Kommentar: Peter Urbanitsch (ÖAW)
Moderation: Andreas Schwarcz

Abstract: From the writings of John Locke to those of Thomas Jefferson the idea that the goal of human existence is "the pursuit of happiness" and that a rational civic order should, therefore, be organized to the furthering of that end was virtually omnipresent in the political and social theory of the Enlightenment. It was less common that successive members of a ruling house should share such a view and make it a keystone of a dynastic raison d'être. Why Joseph II, Leopold II, and Franz II/I did so and what that meant for the development of civic life in Austria will be explored in this paper.

Zu den Personen: Prof. James Shedel, Associate Professor am Department of History der Geogetown University, hat über Kunst und Gesellschaft im Österreich des Fin-de-siècle publiziert, über dynastische Feiern sowie den Rechtsstaat in Altösterreich. Zur Zeit beendet er ein Buch über die Geschichte Österreichs von den Anfängen bis zur Gegenwart. Der Vortrag schöpft aus seinen langjährigen Forschungen zur Prägung der österreichischen Identität durch die Habsburger. - Dr. Peter Urbanitsch, langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kommission für die Geschichte der Habsburgermonarchie an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und u.a. für die Gesamtredaktion verantwortlicher Mitherausgeber des Werkes "Die Habsburgermonarchie 1848-1918".


29. April: Johannes FRIMMEL (Wien) und Michael WÖGERBAUER (Prag) - in Kooperation mit dem IEFN
„Unterhaltung und Belehrung als Geschäft. Perspektiven einer Topographie des Buchwesens in der Habsburgermonarchie"

Moderation: Josef Pauser

Abstract: Es ist unbestritten, dass der Buchdruck bei Prozessen wie der Ausbildung von Nationalstaaten und der Entstehung der neuzeitlichen Wissenschaften ein entscheidender Faktor war. Buchgeschichte als „the history of communication by print" (Robert Darnton) stellt Fragen, die bisher von der österreichischen Historikerzunft kaum untersucht wurden. Wie durchdringt der Buchdruck den Alltag und in welchem Verhältnis zueinander stehen mündliche, handschriftliche, gedruckte und visuelle Kommunikation? Welche Rolle spielte der Buchhandel für den Kulturtransfer und für transnationale Netzwerke? In welchem Verhältnis stehen der Wandel von Lese- und Schreibpraktiken und der soziale Wandel? In dem Vortrag wird das Projekt „Topographie des Buchwesens in der Habsburgermonarchie 1750-1850" vorgestellt, das dokumentarische Grundlagen erarbeitet und zugleich eine „habsburgische" Buchgeschichtsschreibung ermöglichen soll.

Zu den Personen: Johannes Frimmel: Studium der Germanistik und Vergleichenden Literaturwissenschaft in Wien und Berlin, Promotion 2001. Mitarbeiter des FWF-Projekts „Der Buchmarkt der Habsburgermonarchie". Publikationen: Literarisches Leben in Melk. Ein Kloster im 18. Jahrhundert im kulturellen Umbruch (2005); Hrsg. mit Franz M. Eybl, Wynfrid Kriegleder: Aloys Blumauer und seine Zeit (2007); gem. m. Peter R. Frank: Buchwesen in Wien 1750-1850. Kommentiertes Verzeichnis der Buchdrucker, Buchhändler und Verleger (2008); Hrsg. mit Michael Wögerbauer: Kommunikation und Information im 18. Jahrhundert. Das Beispiel der Habsburgermonarchie [Im Druck]. - Michael Wögerbauer: Studium der Germanistik und Philosophie in Salzburg und Wien, danach als Universitätslektor in Pilsen, Prag und Paris. Derzeit an der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik tätig. Seine Dissertation zur „Ausdifferenzierung des Sozialsystems Literatur in Prag 1760-1820" soll 2009 erscheinen.


6. Mai: Hannes Leidinger (Wien) - Gastprofessor für „Österreichische Geschichte mit Schwerpunkt im 19. Und 20. Jahrhundert" in diesem Semester.
„Die ‚Bolschewikenzentrale‘. Wien als Stützpunkt der sowjetischen Außenpolitik 1918-1938"

Moderation: Karl Vocelka

Abstract: Österreichische Geschichte wurde bis in die jüngste Vergangenheit meist aus der Perspektive der "inneren Entwicklung" betrachtet, doch divergierende Österreich-Begriffe sowie die Suche nach nationalen Identitäten verweisen auf gesellschaftliche und politisch-weltanschauliche Zusammenhänge jenseits heutiger Staatsgrenzen. Ein wesentliches Ziel gegenwärtiger Untersuchungen ist die Neupositionierung der Donaumonarchie und der Alpenrepublik im internationalen Kontext. Neben "klassischen" Forschungen über diplomatische Beziehungen geht es um Mentalitäten, Freund- und Feindbilder, soziale Aspekte sowie kulturelle und wirtschaftliche Kontakte. Historische Phänomene unterschiedlicher zeitlicher und geographischer Erstreckung sollen am Beispiel der russischen oder sowjetischen Strategien in "Mittel-, Mittelost- und Südosteuropa" - drei umstrittene Raumkonzeptionen - erschlossen werden. Im Blickfeld steht v.a. Wien als "Bolschewikenzentrale", als Dreh- und Angelpunkt weltrevolutionärer Bestrebungen. Zugleich gilt es, die Interessen der übrigen Großmächte sowie der Nachbarländer Österreichs in den Alpen-, Donau- und Balkanregionen allgemein und speziell gegenüber der UdSSR hervorzuheben. Der Vortrag bietet in Form von Längsschnitten einen Überblick zur Gesamtthematik, zu Zäsuren und Kontinuitäten im 19. und 20. Jahrhundert und versucht dann, die Situation in der Zwischenkriegszeit zu beleuchten.

Zur Person: Hannes Leidinger, geboren 1969 in Gmunden. Forschungen und Lehrveranstaltungen an den Instituten für Geschichte, Zeitgeschichte und Osteuropäische Geschichte der Universität Wien. Mitarbeit an mehreren wissenschaftlichen Projekten zur Entwicklung Österreichs, Mittel- und Osteuropas im 19. und 20. Jahrhundert sowie zur Film- und Regionalgeschichte. Filmberatung, Ausstellungstätigkeit und zahlreiche Publikationen.


13. Mai: Johannes KOLL (Wien)
„Vom Kaiserreich zum Großdeutschen Reich. Arthur Seyß-Inquart und der Nationalsozialismus"

Moderation: Oliver Rathkolb

Abstract: In fast jedem Handbuch zur Geschichte des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkriegs wird Arthur Seyß-Inquart (1892-1946) als einer der prominenten österreichischen Nationalsozialisten erwähnt. Dennoch sind sein Weg zum Nationalsozialismus und seine politische Karriere innerhalb des Großdeutschen Reiches bislang nicht umfassend erforscht worden. Dies ist umso erstaunlicher, als Seyß-Inquart seit der Zeit des Anschlusses Österreichs stets hohe Posten innerhalb des NS-Systems innegehabt hat. Der Vortrag stellt erste Ergebnisse eines Forschungsprojekts dar, in dessen Rahmen die Biographie von Seyß-Inquart auf wissenschaftlicher Grundlage systematisch erarbeitet wird. Er geht auch der Frage nach, welchen Beitrag Täterforschung zur Beschäftigung mit der Geschichte von Zwischenkriegszeit und Drittem Reich leisten kann.

Zur Person: Nach der Promotion an der Universität Köln Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Köln und Münster. Daneben Lehraufträge an den Universitäten Bremen und Nimwegen. Zwischen 2005 und 2007 Gastprofessor für die Geschichte des Benelux-Raums an der Universität Wien; zur Zeit Projektmitarbeiter an der Wirtschaftsuniversität Wien. In Forschung und Lehre liegen die Schwerpunkte in der deutschen, belgischen und niederländischen Geschichte der Neuzeit sowie in der Geschichte von Nationalbewusstsein und Nationalismus im europäischen Kontext.


20. Mai: Helga PENZ (Wien/Herzogenburg) - in Kooperation mit dem IEFN
„Von Hafnern, Hauern, Hunden und Hämorrhoiden. Die Schreibkalender des Dürnsteiner Bauprälaten Hieronymus Übelbacher (reg. 1710-1740)"

Moderation: Thomas Winkelbauer

Abstract: Insgesamt 14 Schreibkalender sind aus der Regierungszeit von Hieronymus Übelbacher, Propst des Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein, überliefert. Sie geben nicht nur wichtige Aufschlüsse zur Baugeschichte eines berühmten Wahrzeichens der Wachau, sondern auch zu den Amtsgeschäften und zur Person eines barocken Prälaten. Die Vortragende bereitet die Sammlung derzeit für eine ausführlich kommentierte Edition vor - als ein herausragendes Beispiel für ein Selbstzeugnis eines kirchlichen Würdenträgers des österreichischen Barockkatholizismus.

Zur Person: Dr. Helga Penz ist Archivarin im Stiftsarchiv Herzogenburg in Niederösterreich, Referentin der Österreichischen Superiorenkonferenz für die Belange des Archivwesens in den Ordensgemeinschaften und freie Dienstnehmerin am Institut für Österreichische Geschichtsforschung. Promotion im Fach Geschichte an der Universität Wien mit der Arbeit „Kloster - Archiv - Geschichte. Schriftlichkeit und Überlieferung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg in Niederösterreich 1300-1800." Forschungsschwerpunkte: Kirchen- und Ordensgeschichte Österreichs, Archivwissenschaften.


27. Mai: Aus Anlass des 80. Geburtstages von Gerald Stourzh:
„Erste Gerald Stourzh-Vorlesung zur Geschichte der Menschenrechte und der Demokratie" - Vortragender: Martin van GELDEREN (Florenz)

„Erste Gerald Stourzh-Vorlesung zur Geschichte der Menschenrechte und der Demokratie“. Anlässlich des 80. Geburtstags von Gerald Stourzh begründet die Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät diese neue Vorlesungsreihe; dazu wird sie jährlich eine/n prominente/n Forscher/in einladen, um neue Ansätze und Ergebnisse zum Themenbereich Menschenrechte und Demokratie in einem Vortrag zur Diskussion zu stellen. Die Vorträge werden in einer eigenen Reihe im Internetportal der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät veröffentlicht. http://www.univie.ac.at/gerald-stourzh-vorlesungen/

Abstract: This lecture addresses the debates on the future of citizenship, democracy and human rights in the European Union, standing in the mirror of past civil philosophy in general and of the writings of Hugo Grotius and James Madison in particular. First, the lecture underscores that from a republican perspective the European Union in its current constitutional make-up fails to live up to the ideals of democratic government. Taking up Grotius's argument that civil society is the outcome of civic creation by free, self-governing individuals, the lecture argues that a future 'closer union' should be constituted by Europe's citizens. Moreover, in order to sustain and flourish, the European Union must find ways for popular sovereignty to express itself; here much can be learnt from James Madison's plea for the political supremacy of public opinion. Finally, acknowledging that the emphasis on European citizenship raises the spectre of Europe as a civil fortress, the lecture seeks to connect Europe's problematic encounter with the 'rights of others' with early modern reflections on the rights of immigration for beggars and vagabonds.

Martin van GELDEREN (Florenz)

„Menschenrechte und Demokratie – James Madison, Hugo Grotius und die Probleme des neuen Europa“

Zur Person: Martin van Gelderen ist Professor für europäische Geschichte am European University Institute in Florenz und vertritt dort vor allem die Ideengeschichte und die Geschichte des Politischen Denkens, insbesondere Naturrechtstheorien und republikanische Traditionen in Europa. Gemeinsam mit Quentin Skinner leitet er das Projekt “Freedom and the Construction of Europe: New Perspectives on Philosophical and Religious Controversies” (http://freedomeurope.wordpress. com/). – Wichtige Veröffentlichungen: “The Political Thought of The Dutch Revolt, 1555-1590” (Cambridge UP 1992, Paperback 2002); “Republicanism: A Shared European Heritage”, 2 Bde., hg. mit Quentin Skinner (Cambridge UP 2002, Paperback 2005); „Kollektive Freiheitsvorstellungen im frühneuzeitlichen Europa 1400 bis 1800“, hg. mit Georg Schmidt und Christopher Snigula (Peter Lang 206).
Gerald_Stourzh_Vorlesung_Einladung.pdf

Die Veranstaltung findet im Lesesaal der Fachbibliothek des Instituts für Geschichte statt.

 


3. Juni: Klaus BIRNGRUBER und Thomas KÜHTREIBER (Wien)
Vorstellung des Forschungsprojekts „Adel, Burg und Herrschaft im Unteren Mühlviertel, Oberösterreich (11.- 14. Jahrhundert)"
Moderation: Karl Brunner

Abstract: Das Projekt nimmt den mittelalterlichen Adel dieser oberösterreichischen Region in den Blick, bis ins Spätmittelalter eine Zone überlappender Herrschaftseinflüsse (Bayern, Böhmen, Österreich) und Schauplatz eines intensiven Kolonisationsprozesses. Die herrschaftliche Raumaneignung und -durchdringung ist dabei im Kontext klientelhafter Personalnetzwerke zu denken; es gilt daher, die hier wirkenden Adelsverbände im politischen, kirchlichen und sozialen Umfeld zu untersuchen. Mit ihren Burgen und Sitzen als „Orten der Macht" hinterließen sie bis heute wahrnehmbare Spuren in der Landschaft, die in auffälliger Dichte zu finden sind. Im Schnittpunkt „Burg" wird der Frage nach Grenzen und Möglichkeiten historischer und archäologischer Forschung nachgegangen. Ein besonderes Anliegen ist der vergleichende Blick in den südböhmischen Raum, und schließlich sollen jüngere Zugänge der Umweltgeschichte einbezogen werden. Dieses FWF-Projekt ist am Institut für Österreichische Geschichtsforschung angesiedelt und wird seit Juni 2008 in Kooperation mit dem IMAREAL Krems und dem Oberösterreichischen Landesmuseum Linz durchgeführt.

Zu den Personen: Mag. Klaus Birngruber M.A., Studium „Mittlere und Neuere Geschichte, Historische Hilfswissenschaften und Kath. Theologie" an der Universität Passau (1998-2004), Absolvent des „Bohemicums" der Universitäten Regensburg und Passau (2003), Studium „Geschichtsforschung, Historische Hilfswissenschaften und Archivwissenschaft" an der Universität Wien (2005-2008). - Mag. Dr. Thomas Kühtreiber: Magisterstudium „Ur- und Frühgeschichte" und Fächerkombination aus Geschichte, Volkskunde und Erdwissenschaften zum Thema „Mensch-Arbeit-Umwelt" (1986-1996) an der Universität Wien, 2006 Promotion; 1993-1996 Studienassistent am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien, seit 1997 wiss. Mitarbeiter am Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit, Österreichische Akademie der Wissenschaften; Forschungsschwerpunkt: Mittelalter- und Neuzeitarchäologie mit dem Fokus Burg, Landschaft und Umwelt.


10. Juni: Georg LEHNER (Wien)
„China in europäischen Enzyklopädien (1700-1850) - Ergebnisse eines Forschungsprojekts"
Moderation: René Tebel

Abstract: Informationen über China verbreiteten sich ab dem späten 16. Jahrhundert auf vielfältige Weise in weiten Teilen Europas. Diese fanden rasch Eingang in allgemeine Nachschlagewerke (Universalgeographien, Lexika, etc.). Die Bedeutung von Enzyklopädien für das europäische Wissen über China liegt einerseits in der Verbreitung von Informationen aus umfangreichen Werken über China und andererseits in der weitgehenden Standardisierung von als wissenswert erachteten Informationen über Land und Leute.
Die Enzyklopädien bildeten zudem eine Vielfalt von Themen ab und können so nicht nur als wertvolle Quelle für die Formierung des europäischen Wissens über China gesehen werden, sondern dienen auch als Indikatoren für die Entstehung, Verdrängung, Wiederbelebung und Dauer bestimmter (inner-)europäischer Diskurse.

Zur Person: PD Dr. Georg Lehner, Studium der Geschichte und der Sinologie in Wien (Promotion 1995; Habilitation für Neuere Geschichte 2004); wiss. Mitarbeiter an mehreren Forschungsprojekten, zuletzt 2006-2008 FWF-Projekt „Der China-Diskurs in europäischen Enzyklopädien, 1700-1850" (Institut für Geschichte, Universität Wien), seit Januar 2009 Erschließung der Sinica an der Österreichischen Nationalbibliothek. - Publikationen zu den österreichisch-chinesischen Beziehungen im 19. und frühen 20. Jahrhundert sowie zur Geschichte des Druckes chinesischer Zeichen in Europa.


17. Juni: Kristoffer NEVILLE (Riverside/USA) - in Kooperation mit dem IEFN
„Fischer von Erlach's „Entwurff einer historischen Architectur" - New Answers, New Questions"

Moderation: Friedrich Polleroß

Abstract: Fischer von Erlach's Entwurff... is fundamentally important as the first book to present a coherent and structured vision of the history of architecture, derived both from antiquarian scholarship and his own work as an architect. Despite this significance, we know very little about the actual development of the work. A newly-discovered early example presented to the Tessin family in Stockholm before the official publication in 1721 reveals much about the chronology and process of the book's preparation, and also raises further questions about Fischer's first intentions and hopes for an earlier publication date.

Zur Person: Assistant Professor of art history at the University of California, Riverside, where he teaches on the art and architecture of the seventeenth and eighteenth centuries. He received his PhD from Princeton University in 2007 with a dissertation on the architect Nicodemus Tessin the Elder, who was active in Sweden in the later 17th century, part of which will be published in 2009 by Brepols in the Architectura Moderna series.


24. Juni: Winfried STELZER (Wien)
„Wenn man so zurückblickt ..."

Moderation: Anton Scharer

Abstract: In lockerer Weise soll erzählt werden vom Studium in den 1960er Jahren, von prägenden Persönlichkeiten, den wissenschaftlichen Arbeitsgebieten und den Erfahrungen als akademischer Lehrer.

Zur Person: Geb. 1942 in Graz, Studium der Geschichte, Anglistik, Anthropologie, Kunstgeschichte und Volkskunde an der Universität Graz, Dr. phil. 1967, Kurs des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung in Wien (1965-1968), 1980 Habilitation für Geschichte des Mittelalters und Historische Hilfswissenschaften, WS 1981/82 Gastprofessor in Innsbruck, seit 1983 o. Prof. für Geschichte des Mittelalters und Historische Hilfswissenschaften an der Univ. Wien, zugleich im Lehrkörper des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. - Arbeitsschwerpunkte: Spätmittelalterliche Geschichtsschreibung und Quellenkunde (mit Überlieferungs- und Rezeptionsgeschichte), Bildungsgeschichte (mit Wissenschaftspflege und Universitätsgeschichte), Mentalitätsgeschichte (Landesbewusstsein), Frühzeit des gelehrten Rechts im Raum des heutigen Österreich 12.-15. Jh., Jurisprudenz an der Univ. Wien bis 1500, Schrift- und Buchwesen des Mittelalters.

 

 

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