Vortrag bei GAM, 9. Mai 2018

Qualifizierungsvortrag für ein Lektorat am IfG

Thomas Varkonyi (Wien): Die Geschichte der Juden von Mohács 1848–1948 und ihre Darstellung in Denkmälern

Qualifizierungsvortrag für ein Lektorat am IfG

Thomas Varkonyi (Wien): Die Geschichte der Juden von Mohács 1848–1948 und ihre Darstellung in Denkmälern

 

Moderation: Christoph Augustynowicz

 

Abstract:

Mohács ist wegen der Schlacht von 1526 ein bekannter „Erinnerungsort“, sowohl im ungarischen, als auch im europäischen Kontext. Wenn man auf Ungarisch ausdrücken möchte, dass es auch schlimmer hätte kommen können, wird bis zum heutigen Tag das Sprichwort gebraucht: „Több is veszett Mohácsnál“ – „Mehr noch ging bei Mohács verloren“. Mohács nimmt im ungarischen Geschichtsnarrativ die Rolle der archetypischen Katastrophe ein. Tatsächlich ist an diesem „Erinnerungsort“ aber mehr verlorengegangen, und das in wesentlich jüngerer Zeit als 1526: nämlich die einst blühende Gemeinde der jüdischen Ungarn im letzten Kapitel des Holocaust 1944.

Ziel des Vortrags ist es, die Geschichte der Juden von Mohács vom Zeitpunkt der ersten offiziellen Ansiedlung 1848 bis zum faktischen Ende der jüdischen Gemeinde 1948 chronologisch darzustellen, um dann die Erinnerungslandschaft der Stadt in Bezug auf diese Geschichte kritisch zu beleuchten. Denkmäler sagen viel über die Erinnerungskultur einer Gesellschaft aus; die Frage nach der Betonung eines lange zurückliegenden Ereignisses gegenüber einem aus jüngerer Zeit lässt Motive der Opferkonkurrenz vermuten. Der Forschungsstand zur Geschichte der Juden von Mohács, der sich beinahe ausschließlich auf ungarische Literatur und Quellen stützt, wird dargestellt und mit eigenen Forschungsergebnissen aus den Archiven in Pécs und Mohács ergänzt.

Zum Vortragenden:

Bachelor Geschichte an der Universität Wien 2013; Master Historisch-Kulturwissenschaftliche Europaforschung ebenfalls an der Universität Wien 2016. Zur Zeit Doktoratsstudent und externer Lektor am Institut für Osteuropäische Geschichte. Publikationen in den Zeitschriften „Juridikum“ und „Gedenkdienst“. Forschungsinteresse: Geschichte der Juden in den Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns mit dem Fokus auf Ungarn.