Vortrag bei GAM, 24. Jänner 2018

Thomas Hellmuth, Judith Breitfuß, Isabella Schild (Wien): Das weite Feld der Geschichtsdidaktik. Von der „Schuldidaktik“ zur Geschichtskultur

Thomas Hellmuth, Judith Breitfuß, Isabella Schild (Wien): Das weite Feld der Geschichtsdidaktik. Von der „Schuldidaktik“ zur Geschichtskultur

Abstract:

Geschichtsdidaktik wird im landläufigen Sinn als „Schul-“ und „Abbilddidaktik“ verstanden, als eine Didaktik, die allein schulischen Unterrichtszwecken dient und daher die Ergebnisse der Geschichtswissenschaft für den Geschichtsunterricht gleichsam aufbereitet. Nun hat sich Geschichtsdidaktik in den letzten zwanzig Jahren zumindest als wissenschaftliche Teildisziplin, wenn nicht als eigene wissenschaftliche Disziplin etabliert. Ihre Aufgabe besteht nicht mehr „nur“ in der kinder- und jugendgerechten bzw. publikumswirksamen Aufbereitung fachwissenschaftlicher Forschungsergebnisse bzw. eines überlieferten und verordneten, nicht selten auch manipulativ wirkenden Kanons historischen „Allgemeinwissens“. Vielmehr beschäftigt sich Geschichtsdidaktik auch mit dem gesellschaftlichen Umgang mit Geschichte, infolge dessen auch mit theoretischen Fragen über Identität(en) und Geschichtsbewusstsein. Zu ihrem Beschäftigungsfeld zählt daher sowohl der Geschichtsunterricht als auch die Geschichtskultur, d.h. der Umgang mit Vergangenheit und Geschichte.

Daher widmet sich der Schwerpunkt „Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung“, der als „Fachdidaktikzentrum“ gemäß dem Entwicklungsplan der Universität Wien im Jahre 2007 gegründet wurde, zum einen der Ausbildung von Lehrkräften und der fachdidaktischen Forschung sowohl auf theoretischer als auch empirischer Ebene. Einige Schwerpunkte bilden dabei das subjektorientierte Lernen, das Lernen mit Konzepten sowie die Schulbuchforschung. Zudem bestehen enge Kontakte zur Politischen Bildung, u.a. im Sinne der historisch-politischen Bildung. Zum anderen beschäftigt sich die Wiener Fachdidaktik aber auch mit Museumspädagogik, Filmgeschichte und -analyse, mit der Inszenierung von Vergangenheit und Public History. Hervorzuheben ist hier die Mitarbeit beim internationalen Online-Blogjournal „Public History Weekly“ (PHW).

Zu den Vortragenden:

Thomas Hellmuth: Dr. phil. (*1965), ist Universitätsprofessor für Didaktik der Geschichte an der Universität Wien, war zuvor Universitätsassistent und Senior Scientist an der Johannes-Kepler-Universität Linz sowie assoziierter Professor für Geschichtsdidaktik und Politische Bildung an der Universität Salzburg. Er ist auch als Historiker (Kultur- und Sozialgeschichte) tätig und hat langjährige Erfahrung als Gymnasiallehrer. Derzeitige Forschungsschwerpunkte: Theorien und Methoden der Didaktik der Geschichte und politischen Bildung (insbesondere subjektorientierte Geschichts- und Politikdidaktik), Geschichte des historischen und politischen Lernens, Geschichtskultur und Identitäten; Kulturgeschichte Frankreichs, Lokal- und Regionalgeschichte.

Judith Breitfuß: Mag. (*1991), studierte die Fächer Geschichte und Englisch an der Universität Salzburg und der University of Liverpool. Sie ist seit Herbst 2016 Universitätsassistentin am Institut für Geschichte (Fachdidaktik Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung) an der Universität Wien.

Isabella Schild: Mag. (*1990), ist Lehrerin für Deutsch und Geschichte am BORG Nonntal (Salzburg). Studium der Germanistik und Geschichte an der Universität Salzburg. Seit Herbst 2016 Universitätsassistentin am Institut für Geschichte (Fachdidaktik Geschichte-Sozialkunde-Politische Bildung) an der Universität Wien.