Vortrag bei GAM, 16. Mai 2018

Jour fixe des Instituts für die Erforschung der Frühen Neuzeit in Kooperation mit Geschichte am Mittwoch

Stephan Sander-Faes (Zürich): Krieg, Staat und Herrschaft. Böhmen und die Habsburgermonarchie um 1700

Jour fixe des Instituts für die Erforschung der Frühen Neuzeit in Kooperation mit Geschichte am Mittwoch

Stephan Sander-Faes (Zürich): Krieg, Staat und Herrschaft. Böhmen und die Habsburgermonarchie um 1700

 

Moderation: Thomas Winkelbauer

 

Abstract:

Der Vortrag behandelt die Folgen dynastischer Politik der Habsburgermonarchie zwischen dem Ende des Dreißigjährigen Krieges und der Regierungszeit Karls VI. am Beispiel Böhmens. Im Gegensatz zu den meisten vorliegenden Studien stehen weder der Hof noch die ständischen Eliten im Mittelpunkt. Die Untersuchung dieser Jahrzehnte erfolgt am Beispiel der Besitzungen der Eggenberg um Krumau und fokussiert die folgenden Fragen: Welche Folgen zeitigten die vielen Kriege, die zu der großen Ausweitung habsburgischer Macht führten? Wie wirkte sich dies auf das böhmische Steuerwesen beziehungsweise die betroffenen Verwalter und Untertanen aus? Die Untersuchung basiert auf folgenden zwei Thesen: einerseits eine ausdrücklich nicht die höfisch-ständischen und zentralbehördlichen Eliten fokussierende Perspektivierung, sowie andererseits der Annahme, dass Staatsintegration gleichzeitig auch desintegrative Auswirkungen in nicht kriegsrelevanten Bereichen nach sich zog. Die untersuchte Epoche, inmitten einer historiographische „Delle“ zwischen 1648 und 1740 gelegen, und der Untersuchungsgegenstand weichen deutlich von den vielfach besser und umfangreicher erforschten Mächten wie Frankreich, Großbritannien oder Preußen ab. Gleichzeitig ermöglicht die Fokussierung der habsburgischen Steuer- und Kreditgeschichte „von unten“ die Zuordnung der Studie zu den Arbeiten Jean Bérengers (1975; 1984; zuletzt 2014) und P.G.M. Dicksons (1987). So erfüllt die nun vorliegende Studie mit ihrer einzigartigen Fokussierung die kürzlich erhobene Forderung John Brewers nach mehr Forschungen „into the means of gathering income rather than […] the mechanisms that underpinned expenditure.“ (2016, 31)

Zum Vortragenden:

2001–2006 Geschichte- und Italienischstudium an der Universität Wien; 2006–2011 Doktoratsstudium in Wien und Graz, 2011 Promotion an der Universität Graz; 2010–2016 wissenschaftlicher Assistent, seit 2016 Oberassistent, Historisches Seminar, Universität Zürich; zudem seit 2015 externer Lehrbeauftragter am Departement für Historische Wissenschaften, Universität Freiburg/Fribourg; 2017 Eröffnung des Habilitationsverfahrens an der Universität Zürich.